Augen auf bei der Aktienauswahl

Aktien
26. Oktober 2017

Aktien bieten langfristig die besten Renditechancen, aber Verluste sind bei Investitionen in Einzelwerte immer möglich. Voraussetzung für eine erfolgreiche Anlagestrategie ist daher eine umfangreiche Markt- und Aktienanalyse. Dafür gibt es verschiedene Methoden – die wichtigsten sind die politische und volkswirtschaftliche Analyse sowie insbesondere die fundamentale und technische Analyse.

„Politische Börsen haben kurze Beine“: Dieser Leitspruch hat sich für Börsianer in jüngster Zeit einmal mehr bestätigt. Ob die Briten für den Brexit stimmten oder Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde – die Auswirkungen auf die Börsen sind zwar meist heftig, aber sie dauern nicht allzu lange an. Kurzfristige orientierte Trader konnten in den Tagen nach Wahlen oder Krisen überdurchschnittliche Renditen erzielen. Für längerfristig ausgerichtete Anleger spielen diese Situationen aber eine geringere Rolle. Selbst bei überraschenden Ereignissen wie im Jahr 2016 pendeln sich die Märkte gewöhnlich nach kurzer Zeit wieder ein.

Volkswirtschaftliche Analyse gibt den Marktrend an

Deutlich nachhaltiger als politische Ereignisse wirken volkswirtschaftliche Entwicklungen auf die Anlagemärkte. Die Betrachtung der Konjunktur, des Wachstum und der Zinsen beeinflusst  stark die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen. Besondere Bedeutung hat dabei die absolute Höhe der Zinssätze, aber auch ihre tendenzielle Entwicklung. Bei hohen Leitzinsen bzw. Marktzinsen bevorzugen Anleger in der Regel stabile Anleihen, Aktienmärkte entwickeln sich tendenziell schwächer. Niedrige Zinssätze und hohe Liquidität dagegen lassen die Kurse tendenziell steigen. Diese Faustregel wurde in den vergangenen Jahren unterstrichen. Die Nullzinspolitik der Zentralbanken hat die Aktienkurse weltweit angetrieben.

Mit fundamentaler Analyse aussichtsreiche Werte finden

Die Fundamentalanalyse analysiert Umsätze, Gewinne und Kennzahlen einzelner Unternehmen. Der Vergleich mit den Werten der Vergangenheit oder mit Konkurrenzunternehmen zeigt, wie attraktiv das Unternehmen zurzeit an den Märkten bewertet ist. Die wichtigsten fundamentalen Kennzahlen sind:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird errechnet, indem der Kurs einer Aktie durch den aktuellen oder erwarteten Unternehmensgewinn je Aktie geteilt wird. Bei einem Aktienkurs von 80 Euro und einem Gewinn je Aktie von 10 Euro liegt das KGV bei also bei 8. Kurs-Gewinn-Verhältnisse von unter 10 gelten als günstig, sind allein aber nicht aussagekräftig. Denn das KGV lebt von Vergleichen. So wird das aktuelle KGV einer Aktie regelmäßig mit den KGV-Werten der Vergangenheit verglichen. Starke Abweichungen können auf außergewöhnliche Gewinnschwankungen des Unternehmens oder auf eine Unterbewertung bzw. Überbewertung der Aktie beruhen.

  • Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Für erfahrene Investoren ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) aussagekräftig. Diese Kennzahl vergleicht den Buchwert je Aktie laut Unternehmensbilanz mit dem aktuellen Aktienkurs. Den Buchwert würde das Unternehmen bei Auflösung und Verkauf aller Vermögenswerte wie Maschinen oder Gebäuden erzielen. Ein niedriges KBV ist für Investoren ein starker Kaufanreiz. Denn dann ist das Unternehmen an der Börse rechnerisch weniger wert als seine Vermögenswerte – Marke, Märkte und Image gäbe es kostenlos dazu. Weil ein solch niedriges KBV aber auch auf einer Fehlbewertung in der Bilanz beruhen kann, ist eine intensive Prüfung  notwendig.

  • Dividendenrendite

Dividenden liefern Aktionären regelmäßige Einnahmen. Die Höhe der Dividendenrendite ist daher für viele Anleger bei der Auswahl von Aktien ausschlaggebend. Allerdings achten Profis nicht so sehr auf einmalige spektakuläre Dividendenrenditen, sondern vor allem auf ein solides Management und Geschäftsmodell, das für hohe Gewinn- und Dividendenkonstanz sorgt. Die Dividende sollte kontinuierlich ansteigen und die Ausschüttungen gleichzeitig maximal 50 Prozent des Unternehmensgewinns ausmachen, damit Raum für Investitionen bleib. Langfristig erfolgreiche Dividendenaktien haben meist in Börsenkrisen stabilere Kursverläufe als Durchschnittsaktien. Neben traditionellen Dividendenaktien gibt es aber auch Wachstumswerte, die auf Ausschüttungen mitunter ganz verzichten wie z.B. Facebook oder Amazon. Sie investieren etwaige Gewinne lieber komplett ins Unternehmen und bescherten ihren Aktionären so in der Vergangenheit hohe Kursgewinne.

Technische Analyse für das optimale Timing

AktienauswahlDie Fundamentalanalyse kann nicht den optimalen Kauf- und Verkaufszeitpunkt angeben; kurzfristig orientierte Anleger nutzen deshalb für die Suche nach dem geeigneten Einstiegspunkt die Technische Analyse. Die technische Analyse nutzt Kurscharts und statistische Indikatoren. Daraus wird die voraussichtliche weitere Kursentwicklung abgeleitet. Diese Prognose nutzt  drei grundsätzliche Annahmen: In den Kursen sind alle Informationen enthalten und der Chart spricht deshalb für sich. Kurse entwickeln sich in zyklischen Trends. Alte Kurstrends wiederholen sich, weil sich andere  Marktteilnehmern an ihnen orientieren. Das zeigt sich insbesondere an markanten Kursmarken wie runden Zahlen (z.B. 100 Euro) oder historischen Hoch- und Tiefstständen. Wer an diesen Marken die Signale der technischen Analyse gezielt nutzt, kann höhere Renditen erzielen. Wer allerdings langfristig oder per Sparplan in die Aktienmärkte investiert, muss auf Timing und technische Signale weniger achten.

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