Auf drei Beinen steht man besser

Absicherung und Vorsorge
1. Juni 2017

Die gesetzliche Rente reicht nicht mehr für einen Ruhestand ohne Verzicht. Staatlich unterstützte Riester- und Betriebsrenten sowie zusätzliche private Vorsorge helfen dabei, die Rentenlücke zu schließen.

Der langjährige Bundesarbeits- und Sozialminister Norbert Blüm behielt recht: Die gesetzliche Rente ist sicher. Dazu haben zahlreiche Reformen seit der Jahrtausendwende ebenso beigetragen wie die Zuwanderung aus Europa und aus aller Welt. Gar nicht sicher aber ist die Rentenhöhe. Absehbar ist nur, dass die gesetzliche Rente für einen auskömmlichen Lebensabend bei den wenigsten Menschen ausreichen wird. Schon als junger Berufsanfänger sollte man deshalb daran arbeiten, die künftige Rentenlücke zu schließen.

1. Schicht: Die Basisversorgung per gesetzlicher Rente

Das Rentenniveau in Deutschland sinkt beständig. Das zeigt die Entwicklung der Rente des sogenannten Eckrentners (auch Standardrentner), der über 45 Jahre jeweils genau den Durchschnittsverdienst erreicht und entsprechende Beiträge gezahlt hat. Er erhält aktuell etwa 47 Prozent des Einkommens als Rente – das entspricht 2017 in den alten Bundesländern rund 1370 Euro.  Zu beachten ist zudem: Die Eckrente entspricht nicht der Durchschnittsrente. Diese liegt deutlich niedriger, denn längst nicht alle Bundesbürger (insbesondere Frauen) kommen auf 45 Arbeitsjahre in Vollzeit.

45-50 Prozent des Einkommens sind nicht toll, aber immerhin eine Basis.  Selbständige bauen in der Regel überhaupt keine gesetzlichen Rentenansprüche auf. Insbesondere für sie wurde nach der Jahrtausendwende die Basisrente eingeführt. Nach ihrem Erfinder ist sie eher unter „Rürup-Rente“ bekannt.  Beiträge zur Rürup-Rente können als Sonderausgaben von der Steuer abgesetzt werden. Die Rürup-Rente ist ein Vorsorgemodell, das sich vor allem für Selbstständige, mit Abstrichen auch für gutverdienende Angestellte eignet.

2. Schicht: Der Staat hilft mit – Riester und betriebliche Altersversorgung

Seit 2002 bietet der Staat Unterstützung beim Aufbau einer zweiten Rente – der Riester-Rente. Wer vier Prozent seines Jahreseinkommens (maximal 2.100 Euro) anspart, erhält Zulagen vom Staat. Die Grundzulage liegt bei 154 Euro pro Jahr; pro Kind gibt es zusätzlich 185 Euro, für nach 2008 geborene Kinder sogar 300 Euro. Das eingezahlte Kapital ist garantiert und Riester-Ausgaben können bei der Steuer geltend gemacht werden. InsbesoRiesterndere für Eltern mit mehreren Kindern und für Besserverdiener ist „Riestern“ attraktiv.

Ebenfalls seit 2002 haben Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf betriebliche Altersversorgung (bAV) durch die sogenannte Entgeltumwandlung. Bis zu vier Prozent des Einkommens können steuer- und sozialabgabenfrei angespart werden. Der Effekt: Wer 100 Euro anspart, muss – je nach Steuersatz – nur auf rund 50 Euro netto verzichten. Die Auszahlungen aus der bAV müssten später in der Rentenphase versteuert werden und Krankenversicherungsbeiträge sind dann auch auf die Rente fällig. Durch die höheren Sparraten konnte der Kapitalstock jedoch schneller wachsen. Zudem dürfte der Rentner-Steuersatz deutlich geringer ausfallen als in den  beruflich aktiven Jahren.

3. Schicht: Privat vorsorgen – gezielt Vermögen fürs Alter aufbauen

Die Möglichkeiten für eine zusätzliche private Altersvorsorge sind vielfältig. Einfach einzurichten sind langfristige Geldsparpläne. Sie sind sehr sicher, allerdings vor allem in Niedrigzinszeiten wenig renditeträchtig. Etwas höhere Zinsen können Anleger bei privaten Rentenversicherungen erwarten. Jedoch ist die Garantieverzinsung bei diesen Policen von 4 Prozent zur Jahrtausendwende auf inzwischen nur noch 0,9 Prozent gesunken. Zudem fallen Abschluss- und Verwaltungskosten an, sodass Versicherungskunden auch bei langfristigen Verträgen kaum noch hohe Renditen erwarten können.

Höhere Flexibilität und bei langen Ansparzeiträumen voraussichtlich auch mehr Performance bieten Fondssparpläne. Anleger können zwischen Aktien-, Renten- oder Mischfonds wählen – je nach Präferenz und Risikoneigung. Wertpapiersparpläne können jederzeit geändert oder auch gestoppt werden. Bei konstanten Einzahlungen profitieren Anleger zudem vom Durchschnittskosteneffekt, weil sie bei niedrigen Kursen mehr Wertpapiere einsammeln. Wenn die Rente näher rückt, lassen sich die Anlagerisiken durch einen Wechsel der Fondsgattungen reduzieren. Anleger können ihr Kapital dann umschichten – etwa von chancenorientierten, aber stärker schwankenden Aktienfonds in weniger rentierliche, aber stabilere Rentenfonds.

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