Bei der Rechtsschutz-Versicherung an die Details denken

19. November 2015

 

Die Rechtsschutzversicherung gehört zwar nicht zwingend zu den Versicherungsarten, die jeder Deutsche unbedingt haben sollte, kann aber dennoch im Einzelfall sehr sinnvoll sein. Grundsätzlich besteht die Aufgabe einer jeden Rechtsschutzversicherung darin, solche Kosten zu übernehmen, die ansonsten der Versicherungsnehmer zu tragen hatte, wenn es darum geht, einen Rechtsstreit mit einer anderen Partei zu führen. Daher sind es insbesondere Anwaltshonorare und Gerichtskosten, die von der Rechtsschutzversicherung getragen werden. Bevor Sie sich allerdings für den Abschluss einer derartigen Versicherung entscheiden, sollten Sie nicht nur die Angebote und damit die Preise für den jeweiligen Versicherungsschutz vergleichen, sondern auf einige Details achten. Diese können im Zusammenhang mit dem Versicherungsschutz und anderen Bedingungen, die bei einer Rechtsschutzversicherung üblich sind, durchaus von großer Bedeutung sein.

 

Rechtsschutz ist mit diversen Bedingungen verbunden

Es gibt bei der Rechtsschutzversicherung diverse Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen, damit ein Versicherungsschutz besteht. Die wohl wesentlichste Bedingung besteht darin, dass es beim anstehenden Rechtsstreit eine gewisse Aussicht auf Erfolg geben muss, damit der Versicherer überhaupt eine Deckungszusage erteilt. Darüber hinaus sind es aber auch manche Verhaltensweisen, die der Versicherungsnehmer nicht an den Tag legen darf, wenn der Rechtsschutz weiterbestehen soll. So sind es insbesondere die folgenden Punkte, die auf jeden Fall beachtet werden sollten:

 

  • Wartezeiten vor Eintritt des Versicherungsschutzes
  • Versicherung bei kleinen Beträgen nicht in Anspruch nehmen
  • Während eines Rechtsstreits nicht den Anwalt wechseln
  • Kündigung bei mehreren Schadensfällen pro Jahr möglich
  • Für Zeugen gilt kein Rechtsschutz
  • Gesetzliche Vergütung des Anwalts als Maßstab

 

Wartezeit muss zum Inkrafttreten des Rechtsschutzes vorüber sein

Bei vielen Versicherungen ist es so, dass der Versicherungsschutz erst nach einer bestimmten Wartezeit eintritt. Damit möchten die Versicherer in erster Linie vermeiden, dass beispielsweise die Rechtsschutzversicherung nur abgeschlossen wird, weil der Versicherungsnehmer bereits weiß, dass in Kürze ein Rechtsstreit ansteht und er diese Kosten nicht selbst tragen möchte. Zwar gibt es nicht bei allen Rechtsschutzversicherungen eine derartige Wartezeit, jedoch beträgt diese in aller Regel insbesondere beim Vertrags- und Sachrechtsschutz zwischen zwei und drei Monaten, bis der Versicherungsschutz tatsächlich aktiv ist.

 

Kleinere Schadenssummen selbst zahlen

Es gibt mehrere Gründe, warum es sinnvoll ist, die Rechtsschutzversicherung nicht bei relativ kleinen Schadenssummen in Anspruch zu nehmen. Zunächst einmal ist es ohnehin so, dass es kaum eine Rechtsschutz-Versicherung gibt, welche die Kosten beispielsweise aufgrund eines Rechtsstreits übernehmen würde, der einen Park- oder Halteverstoß als Basis hat. Da es bei solchen Auseinandersetzungen häufig um Streitwerte unterhalb von 100 Euro geht, wäre der Aufwand erheblich zu hoch, damit ein vernünftiger Versicherungsschutz vorhanden sein kann. Darüber hinaus haben natürlich Rechtsschutzversicherer die Möglichkeit, bei zu vielen Schadensfällen innerhalb eines Jahres eine Kündigung vorzunehmen. Auch aus diesem Grund ist es empfehlenswert, dass relativ kleine „Schadenssummen“ vom Versicherungsnehmer selbst beglichen werden.

Zwei Rechtsschutz-Fälle pro Jahr können Kündigung nach sich ziehen

Angelehnt an die im vorherigen Abschnitt dargelegten Informationen sollten Sie vor der Inanspruchnahme der Rechtsschutzversicherung bedenken, dass zahlreiche Versicherer das Recht haben, die Rechtsschutzversicherung zu kündigen, falls es zwei oder mehr Rechtsschutz-Fälle pro Jahr gibt. Demzufolge sollten Sie sich sehr genau überlegen, in welchem Fall Sie tatsächlich von Ihrer Versicherung Gebrauch machen und wann es definitiv sinnvoller ist, auf einen Rechtsstreit zu verzichten oder die Kosten selbst zu tragen.

Kein Wechsel des Anwaltes während eines Rechtsstreits

Ein weiterer Punkt, der definitiv als Detail der Rechtsschutzversicherung anzusehen ist, ist der Wechsel des Rechtsanwaltes während eines Rechtsstreits. Hier sehen die meisten Rechtsschutzversicherungen vor, dass die Kosten für den zweiten Anwalt in diesem Fall nicht übernommen werden, falls Sie Ihren Anwalt während eines Rechtsstreits wechseln. Daraus resultiert, dass Sie den Anwalt mit Sorgfalt auswählen sollten, damit Sie auch während der gesamten Streitigkeiten das Gefühl haben, die richtige Wahl getroffen zu haben.

 

Kostenerstattung der Rechtsschutz-Versicherung ist begrenzt

Viele Verbraucher gehen irrtümlich davon aus, dass die Rechtsschutzversicherung uneingeschränkt sämtliche Gerichts- und Anwaltskosten übernehmen muss, die im Zuge eines Rechtsstreits anfallen. Dies ist jedoch in der Form falsch, denn vom Grundsatz her muss die Rechtsschutzversicherung maximal diejenigen Kosten für den Rechtsanwalt erstatten, die gesetzlich geregelt sind. Wird hingegen ein höheres Honorar mit dem Anwalt vereinbart, müssen Sie die Differenzkosten selbst tragen.

 

Anhörung bzw. Beratung von Zeugen beinhaltet keinen Rechtsschutz

Die Rechtsschutzversicherung leistet nur dann die Kostenübernahme, falls Sie in einem Rechtsstreit entweder Kläger oder Beklagter sind. Demgegenüber werden anfallende Kosten nicht übernommen, falls Sie beispielsweise vor Gericht als Zeuge auftreten müssen. Sollten Sie in diesem Fall anwaltlichen Rat einholen, werden diese Anwaltskosten nicht durch die Rechtsschutzversicherung übernommen.

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