Berufsunfähigkeitsversicherung: Teuer – aber wichtig

Berufsunfähigkeitsversicherung
11. Oktober 2017

Jung, fit und am Anfang der Berufskarriere: Zu diesem Zeitpunkt haben Menschen andere Prioritäten als Gedanken an Unfälle oder chronische Krankheiten. Die Unwägbarkeiten des Lebens aber schlagen manchmal früher zu als gedacht. Das wertvollste materielle Gut eines Erwachsenen ist seine Arbeitskraft. Bei ihrem Verlust ist ein finanzieller Abstieg vorprogrammiert  – wenn nicht eine Berufsunfähigkeits-Police einspringt.

Das Risiko eines vorzeitigen erzwungenen Berufsausstiegs ist nicht zu unterschätzen. Weit mehr als jeder 5. Deutsche muss seinen Job aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Früher waren es vor allem Arbeiter im Bergbau oder Hochbau, die wegen körperlicher Erschöpfung vor dem Rentenalter aus dem Erwerbsleben ausschieden. Heute ist die physische Beanspruchung im Durchschnitt geringer. Aber andere Belastungen haben zugenommen. Neben Rückenbeschwerden sind psychische Erkrankungen inzwischen der häufigste Grund für eine Berufsunfähigkeit.

Erwerbsminderungsrente reicht nicht aus

Der gesetzliche Schutz vor der Berufsunfähigkeit heißt Erwerbsminderungsrente. Sie wird an Menschen gezahlt, die wegen  Krankheit oder Invalidität nicht mehr arbeiten können. Doch dieser Schutz reicht für Menschen, die nach 1961 geboren wurden, kaum aus. Sie können maximal rund 50 Prozent ihres letzten Nettogehalts erwarten. Und diese Rentenhöhe gibt es auch nur bei schwersten Beeinträchtigungen. Grund: Erwerbsminderungsrente wird nur gezahlt, wenn kein Beruf mehr ausgeübt werden kann. Das heißt: Einem Chirurgen, der aufgrund von Handproblemen nicht mehr operieren kann, kann eine Arbeit als Portier empfohlen werden. Nur wenn er diese Tätigkeit nur weniger als drei Stunden pro Tag ausüben könnte, erhält er die volle Erwerbsminderungsrente. Bei drei bis sechs Stunde gibt es die Hälfte.

BU-Police kann die Lücke decken

Selbstständige haben überhaupt keinen Anspruch auf Erwerbsminderungsrente – für sie ist Privatvorsorge Pflicht. Aber auch Angestellte, die mehr als Erwerbsminderungsrente beziehen wollen, müssen  privat vorsorgen – mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Sie sichern sich damit eine monatliche Rentenzahlung ab, wenn sie aufgrund von Krankheit oder Unfall nicht mehr in ihrem ausgeübten Beruf tätig sein können. Je nach Tarif unterscheiden sich die Versicherungen in Bedingungen und Leistungen. Bei der empfehlenswerten, sogenannten Pauschalregelung zur Rentenzahlung erhält der Versicherte bereits die volle Rentenzahlung, wenn er zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist. Wenn Versicherer auf eine sogenannte abstrakte Verweisung verzichten, müssen Berufsunfähige anders als bei der gesetzlichen Erwerbsminderungsrente nicht in einem anderen Beruf  tätig werden.

Die BU-Versicherung ist eine komplizierte Police. Vor einem Abschluss ist eine intensive Beratung bei einem Versicherungsmakler oder Honorarberater empfehlenswert. Auch die Vergleiche von Analysehäusern wie Morgen & Morgen oder Franke & Bornberg geben Aufschluss über die Qualität unterschiedlicher BU-Anbieter. Top-Qualität und verbraucherfreundliche Konditionen sind bei der BU-Police in der Regel noch wichtiger als der Preis.

Prämie hängt von Gesundheit und Einstiegsalter ab

Bei der Absicherung gegen Berufsunfähigkeit spielen Gesundheitszustand und  Krankengeschichte beim Vertragsabschluss eine wichtige Rolle. Nicht jeder Antragsteller ist den Versicherern willkommen. Schon eine absolvierte Psychotherapie kann zur Ablehnung führen. Generell gilt: Je gesünder und jünger, desto günstiger die Prämie. Doch auch für gesunde junge Menschen ist die BU-Police nicht billig. Denn die Risiken sind für die Versicherer angesichts der langen Laufzeiten und potenziell umfangreichen Rentenzahlungen hoch. Wenn ein 37-jähriger mit einer schweren Krankheit 30 Jahre lang eine BU-Rente von monatlich 2000 Euro bezieht, kostet das den Versicherer schließlich 720.000 Euro.

Trotz hoher Kosten: Der Versicherungsschutz sollte möglichst bei rund 80 Prozent des Nettogehaltes liegen und dynamisiert bzw. bei Gehaltssteigerungen ohne erneute Gesundheitsprüfung angehoben werden können. Ein gesunder 32-jähriger Betriebswirt zahlt so für eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 Euro bei einer Vertragslaufzeit von 35 Jahren rund 100 Euro pro Monat. Viel Geld: Aber je länger man wartet, umso höher sind die Risiken beim Gesundheitscheck und auch  die Kosten des Versicherungsschutzes.

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