DAX unter Druck

dollar
25. März 2018

War es das schon mit der Korrektur oder kommt noch was? Die Meinungen der Börsenprofis gehen auseinander. Welcher Empfehlung Privatinvestoren folgen, hängt vor allem vom Anlagehorizont ab.

Seit Jahresanfang hat der deutsche Leitindex kräftig verloren. Auch die Ausnahmeregelung, die US-Präsident Donald Trump der EU Ende vergangener Woche in puncto Zölle auf Stahl und Aluminium –vorerst jedenfalls – einräumen will, hat die Anleger nicht zum Kauf motiviert. Im Gegenteil: Sie fürchten die klar gegen China gerichtete Handelspolitik der USA werde sich negativ auf die Weltwirtschaft auswirken. Deutsche Unternehmen, die einen Großteil ihrer Gewinne im Export erzielen, wären jedoch von einer sich abschwächenden globalen Konjunktur besonders betroffen. Wie sehr die Stimmung deutscher Unternehmenslenker derzeit getrübt ist, das zeigt sich am Ifo-Geschäftsklimaindex. Das vielbeachtete Konjunkturbarometer fiel im März auf 114,7 Punkte von zuvor 115,4 Zählern und markiert inzwischen ein Elf-Monatstief.

Deutsche Wirtschaft besser als Ruf

andelsbarrierebn Tim Albrecht von der Anlagegesellschaft Deutsche Asset Management, hält den Kursrückgang für übertrieben. Seiner Meinung nach leiden deutsche Aktien zu Unrecht unter der Angst vor  Protektionismus. Ebenso machten sich Investoren zu große Währungs- und Zinssorgen. Auch die Furcht, der Automobilsektor verpasse den technologischen Wandel, sei nicht gerechtfertigt. Die deutsche Wirtschaft, da ist sich der Fondsmanager sicher, sei jedenfalls besser als ihr Ruf. Seiner Analyse nach handeln deutsche Aktien mit einem hohen Abschlag auf andere Märkte. Gemessen am Kurs-Gewinnverhältnis betrage der Bewertungsabschlag gegenüber den US-Börsenbarometer S&P 500 rund 25 Prozent. In zwei Jahren, so Albrecht, stehe der DAX bei 15000 Punkten.

Dass deutsche Aktien derzeit günstig sind, zeigt sich beispielsweise an VW. Das durchschnittliche Kursgewinnverhältnis für 2019 beträgt 5,8. Für die tiefe Bewertung gibt es Gründe. Die Wolfsburger werden verdächtigt, das wahre Ausmaß des Abgasskandals vertuscht zu haben. Seit Jahresanfang hat die Aktie über sechs Prozent verloren. Doch Kunden im Ausland stört die Dieselaffäre nicht. Im vergangenen Jahr verkauften die Wolfsburger mit weltweit 10,7 Millionen Fahrzeugen so viel wie kein anderer Hersteller. Gut möglich, das im laufenden Jahr die Ergebnisse noch einmal übertroffen werden.

Multiple Belastungen

Doch nicht jeder Experte rät angesichts günstiger Bewertungen und anhaltend guter Chancen auf Gewinnsteigerungen zum Einstieg. Harald Preißler etwa von der Anlagegesellschaft Bantleon mahnt zur Vorsicht. Er erkennt „multiple Belastungen“ für die Aktienmärkte. In den USA dämpften die steigenden Zinsen die Investitionen, begründet Preißler seine Skepsis. Auf Grund der Reduzierung der Geldmenge stünden zudem künftig weniger Mittel für den Kauf von Aktien zur Verfügung. Noch dazu würden steigende Rohstoffpreise die Gewinnmargen der Unternehmen belasten. Nicht zuletzt schade Unternehmen aus der Eurozone die zur Stärke tendierende Gemeinschaftswährung.

Preißler prognostiziert daher weitere Verluste. Im Sommer steht der DAX seiner Meinung nach bei 11500 Punkten. Im zweiten Halbjahr können die Kurse von US-Aktien um bis zu 20 Prozent einbrechen. Das dürfte dann den DAX noch einmal nach unten ziehen. Preissler sieht im Gegensatz zu Albrecht von der DWS derzeit weder bei Aktien noch bei Unternehmensanleihen Kaufgelegenheiten.

Doch welcher Ansicht sollen sich Privatanleger denn nun anschließen? Einsteigen oder Gewinne mitnehmen? Die Antwort hängt ganz wesentlich vom Anlagehorizont ab, aber auch vom Nervenkostüm. Investoren, die nicht in den kommenden Monaten über ihr Geld verfügen müssen und sich auch nicht durch kurzfristige Bewegungen an den Märkten aus der Ruhe bringen lassen, können die aktuellen und kommenden Schwankungen nutzen und allmählich beginnen in deutsche Aktien mit einstelligem Kurs-Gewinnverhältnis Positionen aufzustocken. Es sollte sich lohnen: Langfristigen Prognosen zufolge kann der DAX bis zum Jahr auf 28500 Punkte klettern.

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