Marktbericht – Eine Reihe von Konsequenzen

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13. März 2017

Aller Voraussicht nach erhöht die US-Notenbank diese Woche den Leitzins. Die EZB dagegen lässt die Zinszügel wohl noch längere Zeit locker. Der damit einhergehende schwache Euro verschafft Europas Exportunternehmen Wettbewerbsvorteile und sorgt für anhaltende Kursfantasie.

Auch wenn es schon acht Jahre her ist: Den 6. März 2009 vergessen Institutionelle Investoren nicht. An dem Tag beendete der DAX seine durch die Finanzkrise ausgelöste dramatische Talfahrt und ging mit 3669 Punkten aus dem Handel. Seitdem hat sich Deutschlands Leitindex trotz immer wieder aufkommender Kursturbulenzen deutlich erholt. Vergangene Woche pendelte der DAX um die 12 000 Zähler.

Wer am Tief eingestiegen ist, hat also sein Kapital bislang um 227 Prozent vermehrt. Allerdings: Von der Rally profitierte bislang nur eine Minderheit der Deutschen. Die Zahl der Privataktionäre und Besitzer von Aktienfonds liegt nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts hierzulande bei neun Millionen, das sind gerade mal 14 Prozent der Bevölkerung im Alter über 14 Jahre. Insbesondere in den angelsächsischen Ländern engagieren sich deutlich mehr Bürger an den Börsen.

Statt Anteile an Unternehmen zu erwerben und an deren Gewinnen zu partizipieren, favorisieren die Deutschen sichere Anleihen, Tagesgeld- und Festkonten. Damit aber verdienen sie kaum Geld, die Zinsen sind tief. Vergangene Woche ließ die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins unverändert bei null Prozent, obwohl die Teuerungsrate nach oben geht. Im Februar kosteten Waren und Dienstleistungen in Deutschland im Schnitt 2,2 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Die anziehende Inflation aber macht sichere Anlagen noch unattraktiver. So schnell wird sich daran nichts ändern. „Ein sehr erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung wird immer noch benötigt“,  sagt EZB-Chef  Mario Draghi.  Aller Voraussicht nach werden die Frankfurter Währungshüter bis Ende des Jahres auch ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm fortsetzen, um insbesondere den angeschlagenen südeuropäischen Volkswirtschaften mehr Zeit zur Sanierung zu geben.

Dagegen wird jenseits des Atlantiks US-Notenbankchefin Janet Yellen wohl in dieser Woche die Zinsen anheben. Zuletzt hatte die Fed im Dezember 2016 an der Zinsschraube gedreht. Seither liegt der Leitzins in einem Bereich zwischen 0,5 und 0,75 Prozent. Bis Ende 2018 Jahres könnten sechs weitere Zinsanhebungen erfolgen. Die Rückkehr zu einer wieder restriktiveren Geldpolitik wird von US-Anlegern mittlerweile nicht mehr negativ für die Kursentwicklung an der Wall Street, sondern vielmehr als Zeichen für die Stärke der US-Ökonomie gewertet.

Gleichwohl bleibt eine Zinserhöhung in den USA nicht ohne Konsequenzen. So dürfte der Dollar im Vergleich zu anderen Währungen anziehen. Ein stärkerer Dollar wiederum sollte sich negativ auf die Exporte von US-Unternehmen und deren Gewinne auswirken. Auch Gold- und Ölpreis könnten sinken, die beiden Rohstoffe sind, wie Experten sagen, negativ mit dem Greenback korreliert. Vor allem aber dürfte der Euro im Vergleich zur US-Währung schwach bleiben.

Die damit einhergehenden Wettbewerbsvorteile motivieren US-Investoren sich an Europas Börsen zu engagieren. Die Märkte böten weitaus mehr Potenzial als viele Investoren bislang erkennen, meint unter anderem David Tepper. Doch bevor der sich laut dem Forbes-Magazin am besten verdienende Hedgefondsmanager kräftig engagiert, will er erst einmal die Präsidentschaftswahlen in Frankreich abwarten. Gewinnt ein Kandidat der bürgerlichen Parteien, ist eine kräftige Erleichterungsrally nicht auszuschließen.

Die Deutsche Bank traut dem DAX ihrer jüngsten Prognose zufolge jedenfalls einen Anstieg auf 12 800 Punkte zu. Das wäre ein neues Rekordhoch. Die Leitindizes in anderen EU-Staaten sind dagegen noch weit von ihren vor der Finanzkrise erreichten Höchstständen entfernt. Der französische CAC40  notiert noch 39, der spanische Ibex 35 sogar 62 Prozentpunkte darunter. Für deutsche Investoren könnte es sich daher durchaus lohnen, ihr Portfolio um Werte aus dem EuroStoxx zu erweitern. An aussichtsreichen Titeln mangelt es nicht, nur um die Aktienkultur ist es noch schlecht bestellt.

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