Fondsgattungen: Für jeden Anleger ein passendes Produkt

Fondsgattungen
20. Juni 2018

Investmentfonds machen die Anlage für Privatkunden leichter. Allerdings ist die Auswahl des richtigen Fonds nicht einfach. Anleger sollten sich zunächst an den verschiedenen Fondsgattungen und ihren jeweiligen Chancen und Risiken orientieren. Erst danach kann eine wirklich zielgerichtete Auswahl der Einzelfonds erfolgen.

Die Idee der Investmentfonds kam 1950 nach Deutschland. Vor allem seit den 1980er Jahren hat sie sich durchgesetzt. Inzwischen können Anleger in mehrere tausend Produkte investieren. Eine Vielzahl von neuen Fondsgattungen hat sich in den vergangenen Jahren herausgebildet. Doch trotz klangvoller Namen wie  Absolute Return oder Privat-Equity Fonds: Die wichtigsten Fondsgattungen, in den die mit Abstand meisten Kundengelder investiert sind, bleiben Aktienfonds und Rentenfonds, Mischfonds und Offene Immobilienfonds.

Chancenorientierte Aktienfonds

Aktienfonds sind vor allem für Anleger geeignet, die das langfristige Ziel der möglichst starken Wertsteigerung verfolgen. Im Gegenzug sind aber auch die kurzfristigen Risiken am größten. Ursprünglich wurden Aktienfonds in erster Linie als Länder- oder Regionenfonds aufgelegt. Noch heute gibt es zahlreiche Fonds, die sich auf deutsche, europäische, asiatische  oder amerikanische Aktien konzentrieren oder auch weltweit investieren. Aber es gibt auch eine Vielzahl anderer Fondsschwerpunkte. Branchenfonds wie Technologie- oder Pharma- und Biotechfonds investieren in einzelne Wirtschaftssektoren. Sogenannte Small und MidCap-Fonds stöbern nach Anlagechancen bei  kleinen und mittleren Unternehmen. Ethische oder Sustainability-Fonds schließen in ihren Geschäftsbedingungen den Kauf von bestimmten Unternehmen (z.B. Rüstung, Kohle- und Atomenergie, Tabak) entweder ganz aus oder investieren nur in die vergleichsweise nachhaltigsten  Unternehmen der Branchen (Best-in-Class-Ansatz)

Großen Chancen stehen bei Aktienfonds zumindest kurzfristig aber auch größere Risiken gegenüber. In schwachen Marktphasen können Anleger auch schon einmal über mehrere Jahre Verluste erwirtschaften. Chancen und Risiken von Aktienfonds richten sich zudem stark nach dem Anlageschwerpunkt. Sie liegen erhöhen sich, je enger das  Anlageuniversum gefasst ist. Globale Aktienfonds mit Weltfirmen schwanken meist deutlich weniger als Länder-oder Branchenfonds. Insbesondere die Fonds mit enger Ausrichtung sind deshalb weniger für Investitionen  geeignet, wenn Anleger möglichweise kurzfristig über ihr Kapital verfügen müssen.

Stabile Rentenfonds

Rentenfonds investieren das Anlagevermögen der Kunden in festverzinslichen Wertpapieren. Je nach Fondsprospekt konzentrieren sie sich dabei auf verschiedene Laufzeiten, Märkte und Qualitäten. Fonds mit kurz laufenden Anleihen sind grundsätzlich risikoärmer als Produkte mit langen Laufzeiten. Euro-Rentenfonds etwa enthalten nur Anleihen aus dem Euro-Raum; so gibt es kein Währungsrisiko. Anders sieht das bei europäischen Rentenfonds aus, die auch Anleihen aus Nationen mit eigenen Währungen wie Großbritannien, der Schweiz oder Norwegen in ihr Portfolio aufnehmen. Weltweit agierende Fonds streuen ihr Anlagevermögen global und investieren oft in Anleihen, die in US-Dollar notieren. Hier locken meist höhere Zinsen und mögliche Währungsgewinne  – aber durch schwächere Bonitäten und mögliche Währungsverluste steigt  auch das Risiko.

Corporate-Bonds-Fonds setzen auf Anleihen von Unternehmen. Sie bringen im Durchschnitt etwas höhere Renditen als Staatspapiere. Sogenannte High-Yield-Fonds schließlich konzentrieren sich auf Hochzinsanleihen von Unternehmen und Ländern, die von den Rating-Agenturen schlechte Noten bekommen. Chancen und Risiken steigen. Im Durchschnitt entwickeln sich Rentenfonds deutlich gleichmäßiger als Aktienfonds. Am geringsten sind die Risiken bei europäischen Rentenfonds mit kurzen Laufzeiten. Im Gegenzug sind hier die Renditechancen gering, insbesondere in Zeiten der Niedrigzinsen.

Vielseitige Mischfonds

Mischfonds vereinigen die Vorzüge von Aktien- und Rentenfonds. Sie können in beide klassischen Anlagekategorien, in Cash und manchmal auch noch in weitere Anlagetitel investieren. Anlegern bieten sie eine bequeme Lösung: Sieberlassen es den Fondsmanagern, den renditeträchtigen Aktienanteil im Portfolio je nach Marktentwicklung zu gewichten. Eine Grundsatzentscheidung müssen Anleger aber dennoch treffen. Denn Mischfonds werden nach vier Kategorien unterschieden: Defensive Mischfonds dürfen meist maximal 30 oder 40 Prozent des Vermögens in Aktien investieren und bleiben meist deutlich unter der erlaubten Quote; bei Fonds mit ausgewogenem Charakter liegt der Aktienanteil bei rund der Hälfte. Chancenorientierte Mischfonds gewichten die Aktien deutlich über. Als Königsdisziplin gelten flexible Mischfonds. Bei ihnen ist laut Fondsprospekt meist fast alles erlaubt.

Mischfonds haben sich in den vergangenen Jahren zu den meistgefragtesten Fonds entwickelt. Entsprechend ist eine Vielzahl von neuen Mischfonds-Kategorien entstanden. Sogenannte Vermögensverwaltende Fonds etwa können neben Aktien, Renten und Cash auch Rohstoffe, Immobilien und Alternative Investments beimischen. Zielfonds haben eine begrenzte Laufzeit. Sie investieren zunächst vor allem in Aktien und schichten zum Laufzeitende in risikoärmere Papiere um. Bei Dachfonds schließlich investieren die Fondsmanager nicht in Einzelwerte, sondern in andere Fonds. Sie können so die besten Fonds aus dem Markt bündeln. Für diesen Service erheben sie allerdings zusätzliche Gebühren.

Traditionsreiche Offene Immobilienfonds

Offene Immobilienfonds kaufen und verwalten eine Vielzahl größerer Immobilien, meist Büro- oder Gewerbekomplexe. Schon mit einem Anteil werden Anleger somit Immobilien-Miteigentümer. Durch die Streuung des Vermögens galten die Risiken über Jahrzehnte sehr gering, zumal die Fondsgesellschaften einen guten Teil ihres Vermögens in Festgeld anlegen. So konnten  Anleger früher ihre Anteile täglich verkaufen und zudem sehr regelmäßig jährliche Renditen von 2 bis 5 Prozent kassieren. Diese Vorteile hatten jedoch auch Großinvestoren erkannt und nutzten die Fonds als „Festgeldkonto“. Als sie in der Finanzkrise kurzfristig große Kapitalsummen abzogen, konnten viele Fonds ihre Immobilien nicht rechtzeitig verkaufen und mussten Fonds temporär oder gar ganz schließen. Konservative Anleger erlitten unerwartete Verluste. Seitdem wurden Kündigungsfristen eingeführt. Die Stabilität der Offenen Immobilienfonds ist wieder hergestellt. Allerdings eignen sie sich nicht mehr für kurzfristig orientierte Anleger.

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