Immobilienkauf – Nebenkosten können bis zu 20 Prozent ausmachen

Nebenkosten beim Immobilienkauf
7. Juli 2014

 

Wegen der niedrigen Bauzinsen interessieren sich immer mehr Haushalte für einen Immobilienkauf, der vielleicht vor einigen Jahren noch vollkommen außer Reichweite lag. Trotz der Tatsache, dass insbesondere in den Großstädten seit einigen Jahren die Immobilienpreise zum Teil erheblich gestiegen sind, gibt es insbesondere in ländlicheren Regionen oder Orten häufig noch Eigenheime, die zu einem vergleichsweise moderaten Preis zu erwerben sind. Zahlreiche Verbraucher haben beim Immobilienkauf allerdings häufig nur die Anschaffungskosten im Blick, also vorwiegend den Kaufpreis der jeweiligen Immobilie. Experten warnen davor, insbesondere bei der Baufinanzierung nur diese Kaufpreise zu berücksichtigen, denn immerhin können die Nebenkosten beim Immobilienverkauf teilweise bis zu 20 Prozent der gesamten Finanzierungssumme ausmachen.

Eigenkapital sollte mindestens die Nebenkosten abdecken können

Beim Eigenkapital achten zahlreiche Banken darauf, dass dieses in gewissem Umfang mit in die Finanzierung eingebracht werden kann. Während manche Experten einen Eigenkapitalanteil von mindestens 25-30 Prozent empfehlen, gibt es auf der anderen Seite auch Meinungen, dass zumindest die anfallenden Nebenkosten durch das Eigenkapital abgedeckt sein sollten. Dieser Auffassung sind auch zahlreiche Banken, denn sollten die Nebenkosten nicht mit dem Eigenkapital abgedeckt werden können, müssen die Kunden oftmals einen deutlich höheren Zinssatz zahlen. Grundsätzlich sollten Kunden die möglichen Nebenkosten stets in die Gesamtkalkulation mit einfließen lassen, denn kostet das Einfamilienhaus beispielsweise 150.000 Euro, so können sich die Nebenkosten durchaus auf insgesamt bis zu 30.000 Euro belaufen.

 

Nebenkosten: feststehende und optionale Zusatzkosten

Die Nebenkosten, die im Zusammenhang mit einem Immobilienerwerb entstehen können, lassen sich in zwei große Gruppen unterteilen. Zum einen gibt es die feststehenden Nebenkosten, an denen kein Käufer vorbeikommt. Andererseits existieren einige optionale Nebenkosten, die nicht in jedem Fall anfallen müssen, sondern von der individuellen Vorgehensweise und Situation des Käufers abhängig sind. Zu den Nebenkosten, die auf jeden Fall einkalkuliert werden müssen, gehören beispielsweise die Grunderwerbsteuer sowie Notarkosten.

 

Die Grunderwerbsteuer als feststehender Kostenfaktor

Wer eine Immobilie erwirbt, der muss definitiv in jedem Bundesland die sogenannte Grunderwerbsteuer zahlen, weil mit dem Kauf das Eigentum am Objekt wechselt. Der Grunderwerb beinhaltet also nicht nur den Kauf eines Grundstückes, sondern ebenso den Erwerb einer Immobilie. Je nachdem, in welchem Bundesland der Verbraucher beheimatet ist, bewegt sich die Grunderwerbsteuer aktuell zwischen 3,5 (Bayern) und 6,5 Prozent (Schleswig-Holstein). Im schlimmsten Fall fallen also beispielsweise bei einem Kaufpreis von 150.000 Euro Grunderwerbsteuern in Höhe von über 10.000 Euro an.

 

Notarkosten stehen ebenfalls als fixe Nebenkosten fest

Zu den weiteren Nebenkosten, an denen kein Immobilienkäufer vorbei kommt, gehören die Notarkosten. In Deutschland ist es per Gesetz vorgeschrieben, dass ein wirksamer Vertrag über den Kauf und Verkauf einer Immobilie ausschließlich durch eine notarielle Beurkundung Rechtsgültigkeit erwirbt. Was die Höhe dieser Nebenkosten angeht, so wird in aller Regel mit einem Satz von 1,5 Prozent auf Basis der vertraglich vereinbarten Kaufsumme kalkuliert. Dies würde auf das Beispiel von 150.000 Euro Kaufsumme bezogen bedeuten, dass die Notarkosten rund 2.250 Euro betragen.

 

Grundbucheintragung verursacht weitere Nebenkosten beim Immobilienkauf

Neben der notariellen Beurkundung des Kaufvertrages ist es hierzulande ebenfalls vorgeschrieben, dass das Eigentumsrecht an einem Grundstück nebst Immobilie nur durch die Eintragung ins Grundbuch wirksam wird. Demzufolge muss jeder Immobilienkäufer einen Eintrag ins Grundbuch vornehmen lassen, der (natürlich) kostenpflichtig ist und vom Notar veranlasst wird. Die Eintragungsgebühr beläuft sich in aller Regel auf etwa 0,5 Prozent auf Basis des Kaufpreises.

 

Optionale Nebenkosten beim Immobilienkauf

Neben den feststehenden Nebenkosten gibt es noch einige optionale Kostenfaktoren, die keineswegs auf jeden Immobilienkäufer zukommen müssen. Der wohl größte Kostenfaktor in diesem Bereich ist die Maklercourtage, die allerdings nur dann zu zahlen ist, wenn der Kauf des Hauses durch die Vermittlung eines Maklers zustande gekommen ist. Allerdings ist es mittlerweile in Deutschland so, dass mehr als 80 Prozent aller zum Verkauf stehenden Häuser durch einen Makler vermittelt werden. Demzufolge ist es nicht sehr einfach, diese Kosten in Form der Maklercourtage einzusparen. In den meisten Fällen muss der Käufer die gesamte Maklerprovision zahlen, es kann aber natürlich auch Vereinbarung geben, dass sich Verkäufer und Käufer die Courtage teilen. In der Regel bewegt sich die Maklerprovision für den Käufer zwischen drei und sechs Prozent des Kaufpreises. Im schlechtesten Fall könnte dies auch hier bei der Beispielsumme von 150.000 Euro zu Kosten in Höhe von rund 9.000 Euro führen.

 

Modernisierungen oder Sanierungen als weitere Zusatzkosten beim Immobilienverkauf

Mögliche Sanierungen oder Modernisierungen, die an der gerade erworbenen Immobilie vorzunehmen sind, gehören zwar nicht zu den klassischen Nebenkosten, führen aber natürlich dennoch zu einem erhöhten Kapitalbedarf und zählen somit zu den optionalen Zusatzkosten. Nicht selten müssen Modernisierungen beispielsweise aufgrund gesetzlicher Bestimmungen durchgeführt werden, was zum Beispiel Lärmschutz oder den Energieverbrauch eines Hauses angeht. Dies trifft insbesondere unter der Voraussetzung zu, dass das Objekt vermietet werden soll. In diesem Fall sind nämlich einige gesetzliche Bestimmungen zu beachten, sodass es teilweise zu einem erheblichen finanziellen Aufwand führen kann, den Anforderungen nachzukommen. Daher ist es für jeden Immobilienkäufer wichtig, sich im Vorhinein sehr gut darüber zu informieren, ob sich das Objekt auf dem aktuellen Stand der Technik befindet bzw. Maßnahmen ergriffen werden müssen, um alle gesetzlichen Vorgaben einhalten zu können.

 

Ist dieser Artikel hilfreich?
Vote DownVote Up +69
Loading...