Indexpolicen – So funktionieren die neuen Vorsorgeprodukte

Finanzmärkte
14. März 2016

Mit klassischen Lebens- und Rentenversicherungen verdient die Assekuranz immer weniger Geld. Zu unattraktiv ist die Rendite angesichts des Garantiezinses von nur noch 1,25 Prozent für die Kunden. Mit Produkten neuerer Bauart wollen die Anbieter daher ihr Neugeschäft ankurbeln. Diese bieten meist weniger Garantien und dafür größere Renditechancen über eine Beteiligung am Kapitalmarkt. Damit gehen aber auch größere Risiken einher. Als Produktlösung für sicherheitsorientierte Kunden gelten Indexpolicen, bei denen nicht die klassische Überschussbeteiligung, sondern die Entwicklung eines bestimmten Index für Rendite sorgt. Sie sind so konstruiert, dass das Verlustrisiko auf den Kapitalmärkten ausgeschlossen wird. Im Gegenzug werden die Gewinne nach oben gedeckelt.

Laut einer aktuellen Studie der Rating-Agentur Assekurata haben die Anbieter solcher Policen ihren Kunden bislang Renditen zwischen drei und 4,5 Prozent gutgeschrieben, je nach Marktphase auch mehr als sechs Prozent. Geht es auf den Kapitalmärkten bergab, müssen die Kunden eine Null-Rendite in Kauf nehmen. Dabei verbuchen sie aber zumindest kein Minus wie bei einer Direktanlage, beispielsweise über Fonds.

Verluste ausgeschlossen

MärkteMöglich wird der Ausschluss von Verlusten durch den so genannten Lock-in-Mechanismus: Er stellt sich so dar, dass ein etwaiges Minus des Index für den Kunden gleich Null gesetzt werden kann. Die jährliche Absicherung von Kursgewinnen gewährleistet dies. Diese Sicherheit erkauft sich der Kunde darüber, dass er nicht im vollen Umfang von Kursgewinnen profitiert. Dafür legen die Anbieter jährlich einen so genannten Cap fest, der die Obergrenze der Kursgewinne definiert. Laut Assekurata sind dies meist drei bis 3,5 Prozent je Monat. Ist eine Police beispielsweise auf den europäischen Standardwerteindex Euro Stoxx 50 ausgelegt und legt dieser in einem Monat um zehn Prozent zu, wird dem Kunden lediglich ein Plus in Höhe des Caps gutgeschrieben. Der Überschuss wird genutzt, um die Verlustbegrenzung sicherzustellen. Auf diesem Index basieren übrigens die meisten Produkte. Es gibt aber auch andere Varianten: So basiert etwa die HDI Two Trust Selekt-Police auf der Entwicklung der sechs Indizes Dax, Euro Stoxx 50, Nikkei, S&P 500, FTSE 100 und dem Schweizer SMI.

Pluspunkt Flexibilität

Je nach Produktkonzept kann der Kunde jährlich neu entscheiden, auf welche Weise er mit der Überschussbeteiligung an den Kapitalmärkten teilhaben will. Möglich ist eine feste Verzinsung und eben die Beteiligung am Indexverlauf. Manche Policen sind sogar so ausgestaltet, dass mehrere Indizes zur Wahl stehen, auf die der Kunde setzen kann. Auch eine Aufteilung auf beide Komponenten ist teilweise möglich. So können Kunden bei der Allianz-Index Select die Überschussverwendung zu 25, 50, 75 oder 100 Prozent auf beide Varianten verteilen.

Im Prinzip geht der Kunde über die Wahlmöglichkeit jedes Jahr aufs Neue eine Wette ein. Entscheidet er sich beispielsweise für die feste Verzinsung und läuft es an den Börsen schlecht, streicht er immerhin den garantierten Zins ein. Läuft der Index gut, würde er für das betreffende Jahr weniger Rendite erwirtschaften.

Worauf Kunden achten sollten

Bei der Produktauswahl sollten Kunden zum einen darauf schauen, ob die Indizes, auf denen die Policen aufgebaut sind, zu ihren Anlagevorstellungen passen. Zum anderen ist der Cap, den die Gesellschaften für ihre Renditeberechnungen heranziehen, ein wichtiger Faktor für die Ertragschancen des Produkts. So hat das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IFVP) Ende 2014 bei einer Produktanalyse ermittelt, dass die Erhöhung des Caps um 0,5 Prozentpunkte die durchschnittliche Rendite pro Jahr um einen Prozentpunkt erhöht.

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