Lohnen sich Kapitallebensversicherungen noch?

Kapitallebensversicherungen
13. Dezember 2017

Kapitallebensversicherungen haben viel von ihrem Image eingebüßt. Mit üppigen Renditen können Versicherte nicht mehr rechnen. Altverträge zu kündigen lohnt sich dennoch nicht. Für den Abschluss einer neuen Police gibt es noch Argumente. Mindestens ebenso viele sprechen aber gegen eine langfristige Bindung mit den Traditionsprodukten.

In Deutschland gibt es immer noch deutlich mehr Lebensversicherungen als Bundesbürger. Rund 90  Millionen Verträge laufen teilweise schon seit Jahrzehnten. Die Altverträge bringen durchaus ordentliche Renditen – auch wenn die bei Abschluss vor 10 oder 20 Jahren prognostizierten Ablaufsummen wegen der anhaltenden Niedrigzinsen weit verfehlt werden. Altverträge zu kündigen, lohnt sich kaum. Fraglich ist allerdings, ob sich der Neuabschluss einer Kapitallebensversicherung oder einer Privaten Rentenversicherung mit Todesfallschutz noch lohnt. Die wichtigsten Argumente dafür und dagegen:

PRO: Sicherheit und Steuervorteil

Wenn in einer Familie ein Elternteil stirbt, kann das den finanziellen Ruin bedeuten. Mit einer Lebensversicherung sind Angehörige davor geschützt. Bei einer kapitalbildenden Police bauen sie parallel auch eine zusätzliche Altersvorsorge aus. Das ist nicht die günstigste Lösung (siehe Contra), aber komfortabel für Menschen, die sich danach nicht mehr mit dem Thema Vermögensaufbau beschäftigen möchten. Die Qual der Wahl haben sie dann erst wieder bei der Auszahlung – entweder Auszahlung des Kapitals auf einen Schlag oder lebenslange Rente mit oder ohne Dynamisierung.

Für Neuverträge liegt der Garantiezins auf den Sparanteil der monatlichen Beiträge zwar nur noch bei mageren 0,9 Prozent. Dazu kommt jedoch noch die sogenannte Überschussbeteiligung, die nicht garantiert ist und jährlich festgelegt wird. Sie richtet sich nach dem Erfolg der Anlagen des Versicherers. Die Summe aus Garantieverzinsung und Überschussbeteiligung ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, liegt aber immer noch bei rund drei Prozent.

Komplett steuerfrei wie früher sind Kapitallebensversicherungen nicht mehr. Bei lang laufenden Verträgen muss man jedoch nur 50 Prozent des Gewinns versteuern. Bei privaten Rentenversicherungen hängt die Versteuerung vom Zeitpunkt des Beginns der Rentenzahlung ab. Wenn die Rente ab 60 gezahlt wird, müssen 22 Prozent der Monatsrente versteuert werden, bei Beginn mit 67 nur 17 Prozent. Von 1000 Euro Rente unterliegen damit nur 170 Euro der Steuer. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent kassiert der Fiskus von 1000 Euro Rente in diesem Fall gerade einmal 51 Euro.

KONTRA: Unflexibel und renditearm

Vier Prozent garantierte Verzinsung auf den Sparanteil erhielten Versicherungskunden um die Jahrtausendwende. Die reale Verzinsung lag sogar bei sechs Prozent und mehr. Diese Zeiten sind längst vorbei. Der Garantiezins ist in mehreren Schritten auf nur noch 0,9 Prozent gesenkt worden. Die Altverträge werden für die Versicherer zum Problem, Überschussbeteiligungen bei neuen Verträgen stehen dahinter zurück. Die aktuell noch rund drei Prozent Gesamtverzinsung sind bei anhaltenden Niedrigzinsen nur schwer zu halten.

Überschussbeteiligung, Garantiezins, Bewertungsreserven – Kapitallebensversicherungen sind ein kompliziertes Produkt, bei dem für den Versicherten vielfältige Kosten anfallen. Je weniger Rendite die Policen abwerfen, umso unattraktiver werden sie. Denn sie schränken den Versicherungsnehmer in seiner Flexibilität stark ein. Ein vorzeitiger Ausstieg oder ein Verkauf muss in der Regel mit Nettoverlusten bezahlt werden. Und nur rund die Hälfte aller Lebensversicherungen wird von den Versicherten auch wirklich bis zum Ende der Laufzeit gehalten.

Ein Kernproblem bei vorzeitigem Ausstieg: Nach der Kündigung besteht kein Risikoschutz für den Todesfall mehr. Eine solche Risikopolice aber wird mit zunehmendem Lebensalter deutlich teurer. Verbraucherschützern raten deshalb dazu, Versicherungsschutz und Vermögensaufbau gleich zu Beginn klar zu trennen. Eine Risikolebensversicherung kostet bei gleicher Versicherungssumme nur ein Bruchteil einer kapitalbildenden Lebensversicherung. Das ersparte Geld kann man dann in deutlich flexiblere Anlageformen investieren, z. B. Fondssparpläne.

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