Marktbericht: China – Harte Landung nicht in Sicht

dollar
18. Februar 2018

Zu Beginn des Jahres des Hundes China präsentiert sich das Land in guter Form. Die wirtschaftliche Dynamik hat wieder an Stärke gewonnen, zudem bemüht sich die  Regierung in Peking, Luft aus der Kreditblase zu lassen.

An Chinas wirtschaftlicher Zukunft scheiden sich die Geister: Weder fehlt es an düsteren Prognosen noch an optimistischen Ausblicken. Insbesondere Hedgefonds-Manager warnen vor einem schweren Rückschlag und verweisen auf die rasant wachsenden Verbindlichkeiten von Staat, Privathaushalten und Unternehmen. Zusammen sind diese mit 256 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldet. Vor zehn Jahren lag die Verschuldung noch bei 146 Prozent der wirtschaftlichen Gesamtleistung. Kyle Bass etwa, Gründer von Hayman Capital Management, rechnet mit einem Kollaps des Bankensystems und einer anhaltenden Schwäche der chinesischen Währung. Seiner Ansicht nach ist Chinas Wirtschaft auf Sand gebaut beziehungsweise auf Pump finanziert. Ähnlich argumentiert George Soros. Der Multimilliardär sieht Chinas Ökonomie an dem Punkt angelangt, den die US-Ökonomie kurz vor Ausbruch der Subprime-Krise im Jahr 2008 erreicht hatte. Diese löste bekanntlich die Finanz- und in deren Folge die Staatsschuldenkrise der Eurozone aus.

Westliche Unternehmen hängen von China ab

Das Platzen einer Kreditblase im Reich der Mitte, was mit kräftigen Wachstumseinbußen einhergehen dürfte, hätte nicht für das Reich der Mitte, sondern auch für den Rest der Welt dramatische Folgen. Schließlich ist China mittlerweile die zweitgrößte Volkswirtschaft. Auch die Börsen dürften in Folge weltweit in den Keller stürzen. Vom China-Geschäft hängen Umsatz und Gewinn der Unternehmen der Industrieländer und der Emerging Markets zunehmend ab. Beispiel deutsche Autoindustrie. Volkswagen, Daimler und BMW haben im vergangenen Jahr in China laut einer Studie des Beratungsunternehmens Ernst &Young zusammen fast 40 Prozent Autos ihrer verkauft. 2009 war der Anteil nur gut halb so hoch.

Anderer Ansicht als die schwarz malenden Hedgefonds-Manager ist Claudia Wessling vom Berliner Mercator Institute for China Studies. Ausländische Unternehmen könnten sich weiterhin auf China als Wachstumslokomotive verlassen. Das anhaltend hohe Wachstumsniveau werde sich auch 2018 positiv auf deutsche und europäische Unternehmen auswirken. Im vergangenen Jahr legte das Bruttoinlandsprodukt mit 6,9 Prozent jedenfalls stärker zu als erwartet. Für 2019 erwartet der Internationale Währungsfonds ein Plus von 6,6 Prozent.

Peking bleibt am Steuer

Auch Janis Hübner, China Experte von Deka Investments, erwartet keine harte Landung der chinesischen Wirtschaft. „Der Punkt, an dem Chinas Regierung das Wachstum nicht mehr unter Kontrolle hat, ist noch weit weg.“ Auf Grund

technologischer Entwicklungen ließen sich weiterhin gewaltige Produktivitätsfortschritte erzielen. „Auch kann die Regierung die Binnennachfrage immer noch über Lohnanpassungen steuern. Ein Konjunktureinbruch in China ist daher wenig wahrscheinlich.“ Zudem bemühe sich die Regierung, den Anstieg der Verschuldung zu bremsen und Luft aus der Kreditblase zu lassen. Die Zunahme an Krediten soll zumindest nicht über den Wachstumsraten liegen. „Das scheint zu gelingen“, sagt Hübner.

Nicht zuletzt lassen die Aktivitäten westlicher Unternehmen und Finanzinstitute auf anhaltendes Vertrauen in die Regierung in Peking schließen, das Verschuldungsproblem so anzugehen, dass das Wachstum nicht allzu sehr darunter leidet. Der US-Flugzeugbauer Boeing beispielsweise baut auf der Insel Zhousan sein erstes Wartungszentrum außerhalb der USA. Walt Disney wiederum errichtete bereits vor zwei für einen Freizeitpark in Shanghai. Mit 5,5 Milliarden Dollar ist es die bislang größte Auslandsinvestition des Unterhaltungskonzerns. Auch die Investmentgesellschaften wie BlackRock, Fidelity und UBS Asset Management wollen die Chancen nutzen, die das Land     bietet. Eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft scheinen sie nicht zu fürchten.

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