Marktbericht: Dollar unter Druck

dollar
29. Januar 2018

Die Europäische Zentralbank hätte mit der Normalisierung der Geldpolitik längst beginnen müssen. Doch der Greenback schwächelt, der Euro zieht dagegen an. EZB-Chef Mario Draghi muss weiter auf einen kräftigen Anstieg der Inflation warten.

US-Finanzminister Steve Mnuchin und US-Präsident Donald Trump, aber auch die EZB und Washington sind in Währungsfragen derzeit nicht einer Meinung. Der Außenhandel der USA profitiere von einem schwachen Dollar, ließ Mnuchin vergangene Woche Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos wissen. Damit beschleunigte sich zunächst die bereits seit längerem anhaltende Talfahrt des Greenbacks. Die Gemeinschaftswährung legte dagegen noch einmal kräftig zu. Mit 1,24  erreichte der Euro den höchsten Stand seit Dezember 2014.  Gerade mal zwölf Monate ist es her, da wurde noch die Parität der beiden Währungen vorhergesagt. Stattdessen hat der Euro gegenüber dem Dollar um fast 17 Prozent zugelegt.

Rohstoffpreise ziehen an

Die Äußerung Mnuchins alarmierte wiederum die Währungshüter in Frankfurt. EZB-Chef Mario Draghi sah sich genötigt, an die unter Mitgliedern des Internationalen Währungsfonds geltende Abmachung zu erinnern, wonach von Währungsmanipulationen zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen Abstand zu nehmen ist. Unmittelbar danach meldete sich Trump zu Wort:  „Der Dollar wird stärker und stärker und am Ende möchte ich einen starken Dollar sehen.“ Die US-Währung legte daraufhin wieder zu, doch die Erholung währte nicht all zu lange. Für die US-Bürger ist das keine gute Entwicklung.  Import- und Rohstoffpreise ziehen infolge der Dollar-Schwäche an. Öl klettere zuletzt auf 70 Dollar per Barrel. Den Anstieg spüren die US-Konsumenten nicht nur beim Tanken. Die Vorteile des schwachen Dollar für den Export sind dagegen weniger gravierend. Der Anteil der Ausfuhren an der gesamten Wirtschaftsleistung der USA beträgt gerade mal 13 Prozent.

Über die Gründe der Dollar-Schwäche wird derzeit viel spekuliert. Im Zuge der Zinserhöhungen seitens der US-Notenbank müsste die US-Währung eigentlich zulegen. Doch die USA befinden sich in einer relativ späten Phase des Wirtschaftsaufschwungs, auch sind die Aktienbewertungen schon sehr hoch. Das dürfte Investoren veranlassen, sich weniger in Dollar–Anlagen zu engagieren und vermehrt Kapital im Euroraum anzulegen.  Erklärt wird die Dollar-Schwäche mitunter auch mit dem Politikchaos in Washington. Der Euro dürfte nach Ansicht von Experten in den kommenden Monaten stark bleiben, auch weil die Wirtschaft im Euroraum kräftig wächst.

Euro noch unter seinem fairen Wert

Draghi jedoch kann einen starken Euro nicht gebrauchen. Denn dadurch sinken die Importpreise, was wiederum die Inflation dämpft. Steigende Teuerungsraten sind für Draghi aber essentiell, um die längst überfällige Normalisierung der Geldpolitik einzuleiten. Die von manchen Experten erwartete Ankündigung auf der Pressekonferenz vom vergangenen  Donnerstag zumindest die bis September terminierten Anleihekäufe in Höhe von monatlich 30 Milliarden Euro doch früher als bislang geplant zu reduzieren, blieb daher aus. Doch ist der Euro wirklich schon zu stark, belastet er bereits die Exportchancen deutscher Unternehmer? Der Euro notiere immer noch unter seinem fairen Wert von 1,31, meint Alain Bokobza von der französischen Bank Societe General. Der Chef der globalen Anlagestrategie glaubt auch, dass der Anstieg des Euro den Kursaufschwung an Europas Börsen zwar dämpfen, aber nicht zum Erliegen bringen wird. Seiner Ansicht haben DAX, aber auch die europäischen Aktienmärkte weiterhin Potenzial.

Die US-Märkte werden dagegen immer anfälliger für eine Korrektur. Hält der Kursaufschwung in dem Tempo wie bislang an, dann kann es kräftig nach unten gehen, warnt Bokobza. Schwer vorstellbar, dass Europas Märkten davon nicht beeinflusst würden. Kommt es tatsächlich dazu, dann ist das glänzende Edelmetall ein sicherer Hafen. Auch der Goldpreis ist zuletzt deutlich gestiegen.

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