Marktbericht: Führungswechsel bei der Fed

dollar
4. Februar 2018

Jerome Powell übernimmt das Ruder. Er muss nicht nur die Normalisierung der Geldpolitik fortsetzen, sondern möglicherweise auch die Unabhängigkeit der US-Notenbank gegen Donald Trump verteidigen.

Seit  vergangenem Samstag führt Jerome Powell die US-Notenbank.  Der 64 Jährige übernimmt den Top-Job zu einem guten Zeitpunkt. Die Volkswirtschaft der USA präsentiert sich  jedenfalls in einem wesentlich fitteren Zustand als noch vor vier Jahren. Powells Vorgängerin Janet Yellen hat dazu wesentlich beigetragen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund vier Prozent, das ist der niedrigste Wert seit 17 Jahren.  In den USA herrscht – zumindest den offiziellen Zahlen zufolge – nahezu Vollbeschäftigung. Auch dem Ziel Geldwertstabilität ist Yellen sehr nahe gekommen. Die Inflationsrate steht bei rund zwei Prozent. Bei den Anlegern genießt Yellen daher hohes Ansehen. In den vergangenen vier Jahren legte der US-Leitindex S&P 500 rund 87 Prozent zu, auch weil die Fed-Chefin die Kommunikation mit den Marktteilnehmern beherrschte und sie ihre Geldpolitik klar kommunizierte. Unter Yellens Vorgängern war das nicht immer der Fall. Investoren mussten mit überraschenden Zinserhöhungen rechnen.

Fed größter Gläubiger der USA

Allerdings erforderte das Erreichen von Geldwertstabilität und Vollbeschäftigung einen hohen finanziellen Einsatz. Die Bilanzsumme der Fed stieg in Folge der Anleihekäufe auf den Rekordwert von 4,5 Billionen Dollar. Die US- Notenbank ist somit der größte Gläubiger der USA, noch vor China und Japan.

Allerdings hat der von Yellen mitinitiierte Boom an der ungleichen Verteilung des Vermögens in den USA

wenig geändert. Im Gegenteil: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft , da die Reichen vom Börsenaufschwung deutlich stärker profitieren konnten, weiter auseinander.

Fingerspitzengefühl erforderlich

Powells Aufgabe wird es nun sein, die Bilanz der Fed auf ein normales Niveau zurückzuführen sowie die von Yellen eingeleiteten Zinserhöhungen fortzusetzen, ohne Turbulenzen an den Märkten hervorzurufen. Keine leichte Aufgabe: Ein zu starkes Zurückfahren der Bilanz und eine zu schnelle Zinswende könnten das Wachstum abwürgen. Zu große Vorsicht wiederum birgt die Gefahr, dass in Folge der von US-Präsident Donald Trump auf den Weg gebrachten Steuersenkungen und des gut ausgelasteten Arbeitsmarktes die Inflation zu stark anzieht.

An der notwendigen Expertise, die Herausforderungen zu meistern, fehlt es Powell aber nicht,  auch wenn er kein gelernter Ökonom ist. Nach seinem Jura-Studium an der Eliteuniversität in Princeton arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt. Später heuerte er bei der Investmentbank Dillon, Read & Co an und wechselte anschließend ins US-Finanzministerium. Danach kehrte er zurück in die Investmentwelt und arbeitete für die Carlyle Group. Im Jahr 2010 wurde er, obwohl den Republikanern nahe stehend, von US-Präsident Barack Obama in die Führungsebene der US-Notenbank berufen. Die Positionen und Entscheidungen seiner Chefin Yellen vertrat er nach außen stets loyal. Den bisherigen Kurs der Fed dürfte Powell fortsetzten.

Nur in einem Punkt gibt es Unterschiede. Während Yellen sich strikt gegen eine Deregulierung der Finanzwelt positionierte, ist Powell dafür, den Banken wieder mehr Freiheiten einzuräumen. Diese Freiheiten aber könnten die Banken nutzen, um – wie vor der Finanzkrise – wieder stärker ins Risiko zu gehen, warnen Kritiker.

Wünsche aus dem Weißen Haus

Interessant in den kommenden vier Jahren zu beobachten wird sein, ob und wie Powell und Trump zusammenarbeiten können. Sollten vor den nächsten Präsidentschaftswahlen die Wachstumszahlen nicht so rosig ausfallen, wie sich Trump das wünschen würde, dann ist es gut vorstellbar, dass Powell die Unabhängigkeit der US-Notenbank gegen Wünsche aus dem Weißen Haus nach einer Konjunkturbelebung wird verteidigen müssen.

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