Marktbericht: Gewinne laufen lassen

usa
6. November 2017

Viele Aktienmärkte haben mittlerweile neue Rekordstände erreicht. Trotzdem erscheint das Kurspotenzial noch nicht ausgeschöpft, zum Ausstieg ist es noch zu früh.

Die führenden Leitindizes der Industriestaaten haben neue Rekordstände erreicht. Auch mit Schwellenländer-Aktien haben Investoren im Jahresverlauf bereits hohe Renditen erzielt. Muss da nicht zwangsläufig eine Korrektur kommen? Nicht unbedingt. Eine ganze Reihe von Gründen spricht derzeit eher für die Börsenweisheit Gewinne laufen zu lassen. So trauen Konjunkturexperten der Weltwirtschaft im kommenden Jahr ein Plus von immerhin 3,7 Prozent zu. Das liegt weit über dem Zuwachs, der in diesem Jahr erzielt wird. „Wir erleben derzeit den breitesteten synchronen Aufschwung seit einem Jahrzehnt“, schreibt Maurice Obstfeld,  Director of Research beim Internationalen Währungsfonds in einem Kommentar. Für die Regierungen sei die anhaltende Erholung eine gute Gelegenheit, Strukturveränderungen auf den Weg zu bringen, um ihre Volkswirtschaften gegenüber künftigen Krisen wesentlich widerstandsfähiger zu machen, folgert Obstfeld.

Mehr Frankreich ins Depot

Zu den derzeit mutigsten Reformern zählt Frankreichs Staatspräsident. Emmanuel Macron will bis zum Jahr 2022 die Unternehmenssteuern von derzeit 33 auf 25 Prozent senken. Eine höhere wirtschaftliche Dynamik versprechen auch die mittlerweile per Dekret auf den Weg gebrachten Arbeitsmarktreformen. Die Lockerung des Kündigungsrechts soll es den Unternehmern leichter machen, Personal einzustellen. Sie können zudem auf schwankende Auftragslagen künftig wesentlich flexibler reagieren. Kleinere Unternehmen bekommen die Möglichkeit, unabhängig von den Gewerkschaften mit der Belegschaft über Löhne und Arbeitszeiten verhandeln.  Gut möglich, dass institutionelle Investoren ihre bisherige Untergewichtung französischer Titel korrigieren werden.

Für Gewinne laufen lassen spricht auch die anhaltend lockere Geldpolitik der Notenbanken. Im Euroraum wird eine Anhebung des Leitzinses beziehungsweise des Einlagezins nicht vor dem Jahr 2019 erfolgen. Die Sorge vor einer anziehenden Teuerung ist trotz des Wirtschaftsaufschwungs  unbegründet. Union Investment rechnet in den kommenden Monaten mit einem Rückgang der Inflationsraten in Deutschland und im Euroraum. Die Verbraucherpreise sollten erst im Herbst 2018 wieder um rund 1,5 Prozent anziehen.

In den USA wird die Fed dagegen mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik fortfahren. Allerdings weiterhin behutsam.  Die Nominierung von Jerome Powell zum neuen Präsidenten der US-Notenbank lasse auf eine  weiterhin lockerere Haltung der Fed schließen, heißt es in einer Analyse der Investmentgesellschaft Fidelity. Zudem macht sich Powell für eine Deregulierung der Finanzmärkte  stark. Auch dies sollte Anleger zum Kauf motivieren. Neben Powell sorgen auch die von den Republikanischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses jüngst vorgelegten Pläne einer umfassenden Steuerreform für neue Kursfantasie.

Bewertungsabschlag in den Schwellenländern

Ebenso wenig müssen sich Anleger aus den Schwellenländen zurückziehen, selbst wenn der  MSCI Emerging Markets seit Jahresbeginn bereits 21 Prozent zugelegt hat. In den kommenden fünf Jahren werde der bereits jetzt deutliche positive Wachstumsabstand zu den Industriestaaten weiter zunehmen, prognostiziert die Investmentgesellschaft Lazard. Für ein  anhaltendes Engagement spreche die abnehmende Verschuldung der Staaten und sowie  steigende freie Cash Flows der Unternehmen. Ein weiteres Argument für die Schwellenländer: Die Aktien werden mit einem Bewertungsabschlag von 25 Prozent im  Vergleich zu Werten aus den Industriestaaten gehandelt.

Ist dieser Artikel hilfreich?
Vote DownVote Up +1
Loading...