Marktbericht – Global gute Stimmung

Nachhaltigkeit, Bulle und Bär, Marktbericht
20. März 2017

Holland entscheidet sich für die EU, China lockt europäische Unternehmen und die US-Notenbank übertreibt es nicht mit Zinserhöhungen: Das nimmt Druck von den Börsen.

Dass die Niederlande einmal die globalen Finanzmärkte beeinflussen würden, hätte man vor einem Jahr nicht für möglich gehalten. Nach dem Brexit, der Ablehnung des Italien-Referendums und einer immer noch nicht gelösten Bankenkrise in der Eurozone war jedoch die Sorge der Investoren vor einem weiteren Belastungsfaktor für die Europäische Union groß. Entgegen den Prognosen und Befürchtungen ging jedoch nicht der rechtspopulistische Herausforderer Geert Wilders und seine Freiheitspartei als Sieger aus den Parlamentswahlen hervor, sondern die rechtsliberale Partei VVD von Ministerpräsident Markt Rutte. Die aber steht zu Euro und Europäischer Union. Die Erleichterung über den Wahlausgang motivierte Anleger zum Aktienkauf. Der DAX notierte vergangene Woche auf dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2015, die Börse in Amsterdam sprang sogar auf ein Neun-Jahres-Hoch. Auch der Euro legte zu.

Internationale Investoren noch vorsichtig

Für eine „politische Entwarnung“ ist es aber noch zu früh. Der Sieg Ruttes markiert nicht das Ende des Aufstiegs eurokritischer Parteien. Am 23. April und am 7. Mai bestimmen die Franzosen einen neuen Staatspräsidenten. Sollte sich die rechtspopulistische Kandidatin des Front National Marine Le Pen durchsetzen, werden die Finanzmärkte kräftig korrigieren. Im Vergleich mit den Niederlanden ist die politische und wirtschaftliche Bedeutung der Grande Nation für die EU ungleich höher. Wird jedoch Le Pen abgelehnt, dürften die Kurse noch einmal kräftig nach oben gehen. So stehen trotz positiver Konjunkturdaten und steigender Unternehmensgewinne internationale Investoren Aktien aus der Eurozone derzeit noch skeptisch gegenüber. Fallen allerdings die politischen Unsicherheiten weg, dürften sie ihr Engagement deutlich erhöhen.

Auch die US-Notenbank sorgte für gute Stimmung, obwohl sie den Leitzins auf eine Spanne von 0,75 bis ein Prozent erhöhte und Schulden machen jenseits des Atlantiks nun teurer wird. Die Entscheidung der Fed war jedoch erwartet worden und wird von den Marktteilnehmern als Beleg einer robusten US-Konjunktur interpretiert. So nähern sich die USA der Vollbeschäftigung, die Arbeitslosenrate beträgt nur noch 4,7 Prozent. Allzu eilig scheint es US-Notenbankchefin Janet Yellen mit der Normalisierung der Geldpolitik jedoch nicht zu haben. Anleger erwarten jedenfalls einen nicht mehr so aggressiven Kurs wie noch zu Beginn des Jahres. Der Dollar gab daraufhin nach, was wiederum die Rohstoffpreise nach oben zog.

Chance für europäische Unternehmen

Weit weniger als die USA und die Niederlande stand China im Fokus der Anleger. Gleichwohl sind die Beschlüsse, beziehungsweise das Absegnen des vom engsten Führungszirkel der Kommunistischen Partei Chinas beschlossenen wirtschaftspolitischen Kurses durch den Nationalen Volkskongress für die Börsenentwicklung in Europa und den USA von erheblicher Bedeutung. Nur noch um 6,5 Prozent wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr zulegen, verkündete Ministerpräsident Li Kequiang den 3000 in der Großen Halle des Volkes versammelten Delegierten. Es wäre das langsamste Wachstum seit 26 Jahren. Die nachlassende Dynamik muss zumindest europäische Unternehmen aus den Industriestaaten nicht unbedingt schrecken. Li Keqiang stellte ihnen mehr Marktzugang in Aussicht. In China registrierte Firmen sollen die gleiche Behandlung erfahren wie heimische Betriebe. Das klingt ganz anders als die protektionistische Rhetorik von US-Präsident Donald Trump.

Europäische Unternehmen sollten sich die Chance im Reich der Mitte nicht entgehen lassen. In China ziehen die Löhne kräftig an.

Bis zum Jahr 2027 kann einer Studie zufolge das jährliche Pro-Kopf-Einkommen von aktuell 8.100 auf 12.900 Dollar klettern. Wie von der Regierung in Peking gewollt, treibt dies die Nachfrage nach Konsumgütern. Davon sollten insbesondere Europas Hersteller von Luxusgütern profitieren. Trotz so mancher Unsicherheit: Dieser Tage gibt es keine Gründe, den Aktienanteil zu reduzieren.

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