Marktbericht: Kein gutes Gemisch

DAX-Unternehmen
7. August 2017

Drohen nach den Sommerferien an den Börsen turbulente Zeiten? Mögliche Handelskriege, hoch bewertete US-Aktien und ein starker Euro mahnen zur Vorsicht.

Mit überwältigenden Mehrheiten in beiden Kammern hat der Kongress den US-Präsidenten gezwungen, ein Gesetz zu unterzeichnen, das die Sanktionen gegen Russland verschärft. Donald Trump hat zwar das Gesetz heftig kritisiert, es aber letztendlich mit dem Hinweis auf eine notwendige nationale Einheit in der Russlandpolitik unterzeichnet. Moskau wiederum bezeichnet die verschärften Maßnahmen als „Handelskrieg“. Auch Deutschland, die EU und Wirtschaftsverbände sind aufgebracht. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht das Völkerrecht verletzt, bedrohen die Sanktionen doch auch deutsche Unternehmen, die an der geplanten Gaspipeline Nordstream von Russland nach Europa mitwirken: „Die Amerikaner können nicht deutsche Unternehmen bestrafen, nur weil diese sich in einem anderen Land wirtschaftlich betätigen“, sagt Ministerin   Brigitte Zypris. Und der deutsche Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft stellt bereits die Frage: „Ist Russland jetzt der zuverlässigere Handelspartner?“ Ergreifen Deutschland und die EU-Kommission Gegenmaßnahmen – das Gasprojekt ist essentieller Bestandteil der Energiepolitik – würde dies die transatlantischen Beziehungen enorm belasten.

Gleichzeitig verschlechtern sich die Beziehungen Washingtons zu Peking. Trump wirft China vor, zu wenig gegen Nordkorea zu tun und erwägt ebenso gegen das Reich der Mitte Sanktionen zu verhängen. Ein gefährliches Unterfangen. China ist nach Japan der größte Gläubiger der USA. Wenn Peking sich nicht mehr in US-Staatsanleihen engagiert, wird es eng. Die USA sind bereits mit 108 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Miesen. Schulden abzubauen hat Trump aber nicht im Sinn. Im Gegenteil. Er will Milliarden in die Infrastruktur stecken und die Steuern senken. Beide Maßnahmen sollen die Wirtschaft ankurbeln und ihm die Wiederwahl in dreieinhalb Jahren sichern.  Warnungen ignoriert er. Das Congressional Budget Office, eine Behörde des Kongresses, geht davon aus, dass die USA bei einer Fortsetzung der Schuldenpolitik schon in 15 Jahren nicht mehr handlungsfähig sein werden. Eigentlich müssten die Abgaben erhöht werden. Doch inzwischen haben fast alle republikanischen Parlamentarier öffentlich geschworen, nie für Steuererhöhungen zu stimmen.

Vor der US-Wahl.

Um die Schuldenlast dennoch stemmen zu können, sind tiefe Zinsen unabdingbar. „Vor der Wahl hatte Trump die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank noch moniert. Nun aber dürfte er Fed-Chefin Janet Yellen, die die Zinswende bereits eingeleitet hat, durch einen noch vorsichtigeren Notenbanker ersetzen“, sagt Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Die Kurse an der Wall Street sollten dann aber weiter in die Höhe gehen. Allein in den vergangenen fünf Monaten verbesserte sich der Leitindex Dow Jones von 18 000 auf 22000 Punkte. „Die Börsenentwicklung steht jedoch schon lange nicht mehr im Einklang mit der realen Wirtschaft“, warnt Braml.

Die Aussicht auf Zinserhöhungen in nur homöopathischen Dosierungen, aber auch die jüngsten Turbulenzen im Weißen Haus schwächen den Dollar. Der Euro zieht dagegen an. Die Gemeinschaftswährung stieg vergangene Woche zwischen zeitlich auf 1,19 Dollar, so hoch wie seit 30 Monaten nicht mehr. Das wiederum erschwert die Exportchancen der Unternehmen. Gut möglich, dass in den kommenden Wochen Gewinnschätzungen nach unten korrigiert werden müssen. Dann aber kann der DAX auch schnell unter die 12000 Punkte-Marke fallen.

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