Marktbericht: Kein Vertrauen in Vertrauensindikatoren

Marktbericht
31. Juli 2017

Griechenland ist an den Kapitalmarkt zurückgekehrt, doch die Währungsunion ist weiterhin angeschlagen. Die Zuversicht der Konsumenten ist hoch, doch ein kräftiger Aufschwung lässt davon nicht unbedingt ableiten, warnt die Banque de Luxembourg. Die Anleger werden derweil zunehmend vorsichtig. Automobilwerte und starker Euro ziehen DAX nach unten.  

Generalprobe bestanden: Vergangene Woche platzierte Griechenland zum ersten Mal seit dem Jahr 2014 wieder eine Staatsanleihe. Der 3 Milliarden Euro schwere Bond stieß auf rege Nachfrage, bietet das bis zum Jahr 2022 laufende Zinspapier Investoren eine Rendite von deutlich über vier Prozent. Die entsprechende Bundesanleihe wirft dagegen nur Minuszinsen ab. Die Emission galt als Testlauf, ob das mit untragbaren179 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verschuldete Land künftig seine Schulden ausschließlich über den Kapitalmarkt refinanzieren werde können. Bislang noch ist Athen auf Kredite seitens der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds angewiesen. Das mittlerweile dritte Hilfsprogramm in Höhe von 86 Milliarden Euro läuft aber Mitte kommenden Jahres aus. Weder die Geldgeber, noch Athen sind an einem weitern Abkommen interessiert.

Ist mit der erfolgreichen Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt die Eurokrise gelöst? In den vergangenen sieben Jahren hatten die Schulden Athens immer wieder Ängste vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion geweckt und die Aktienmärkte schwer belastet. Vorsichtiger Optimismus ist berechtigt. Die Wirtschaft Griechenlands nimmt wieder Fahrt auf. Rechnet man die Zinszahlungen heraus, weist zudem der Staatshaushalt im ersten Halbjahr 2017 einen Überschuss von gut 1,9 Milliarden Euro auf. Das ist deutlich mehr als die 431 Millionen Euro, die die Gläubiger Athen als Ziel gesetzt hatten.

Eine Billion Euro faule Kredite

Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh. Die Währungsunion ist – fünf Jahre nach EZB-Chef Mario Draghis berühmter „What-ever-it-takes-Rede“ immer noch angeschlagen. Europas Banken haben rund eine Billion Euro an faulen Krediten in den Büchern. Auch die Schulden Italiens von über 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bergen enorme Risiken. Sie verhindern den dringend erforderlichen Ausstieg der EZB aus der ultralockeren Geldpolitik. Ein Ende der Anleihekäufe und ein Anstieg der Zinsen würden die Kreditkosten der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone in die Höhe treiben. Auch Spanien und Portugal können höhere Zinsen nur schwer verkraften. Andererseits: Bleibt die EZB bei ihrem derzeitigen Kurs, fehlt ihr die Munition, um auf die nächste Krise zu  reagieren.

Den jüngsten Erhebungen zufolge deutet sich ein wirtschaftlicher Abschwung nicht an. eine solche nicht an. Der Ifo-Geschäftsklimaindex befindet sich auf Rekordhoch und Anfang Juni korrigierte die OECD ihre Einschätzung für das globale Wirtschaftswachstum für 2017 von 3,3 auf 3,5 Prozent nach oben. Guy Wagner warnt dennoch: „Die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung können sich nicht auf realwirtschaftliche Statistiken stützen“, schreibt der Chefvolkswirt der Banque de Luxembourg in seiner jüngsten Analyse der Finanzmärkte. Sie resultierten hauptsächlich aus den verbesserten Vertrauensindikatoren der Verbraucher und der Unternehmen. Die Vertrauensindikatoren, insbesondere die der Konsumenten, seien jedoch immer unzuverlässigere Frühindikatoren geworden. Ihre Korrelation mit dem realen Wachstum in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Da die  – aus der Überschuldung der Weltwirtschaft entstandenen  – strukturellen Faktoren immer noch nicht angegangen seien, könnten die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung einmal mehr enttäuscht werden, meint Wagner.

DAX unter Druck

Am deutschen Aktienmarkt war in der vergangenen Woche von Euphorie schon mal keine Spur. Die Aktien der Automobilhersteller verloren kräftig. Auch der Höhenflug des Euro belastete den DAX. Galt vor wenigen Wochen noch der Sprung über die 13000 Punkte als sehr wahrscheinlich, ist nun ein Abrutschen auf unter 12000 Zähler das wohl realistischere Szenario.

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