Marktbericht: Klimawandel an den Märkten

dollar
26. Februar 2018

Die von der US-Regierung beschlossen Stimulierung der Wirtschaft dürfte die US-Notenbank zu einer aggressiveren Zinspolitik zwingen. Die Schönwetterperiode an den Börsen neigt sich dem Ende zu.

Hat sich das Gewitter an den Märkten verzogen oder kommt da noch was? Von ihren Februar-Tiefs haben sich Dow Jones und DAX zwar schon wieder ein wenig erholt. Die Zahl der Optimisten, die vor zwei Wochen noch an eine Erholung nach einer „gesunden Korrektur“ glaubten, sei dennoch deutlich zurückgegangen, schreibt der Verhaltensökonom Joachim Goldberg in einem Kommentar. Privatanlegern tendierten seiner Meinung nach nun mehr zum Pessimismus.

Kurioserweise ist der Anlass für die gedämpfte Stimmung nicht etwa ein schwächeres Wirtschaftswachstum. Auch nicht die Geopolitik oder die Furcht vor einer zu hohen Verschuldung in China noch die Sorge vor einer Erneuerung der Eurokrise im Zuge der italienischen  Parlamentswahlen bereitet den Anlegern Sorge.

Zusätzliche Stimulierung ökonomisch nicht notwendig

„Die Märkte haben das Risiko einer Überhitzung der US-Konjunktur  zu verdauen“, schreibt Karsten Junius, Chefökonom bei der Schweizer Bank J. Safra Sarasin. Das „Zuviel des Guten“ sind die auf den Weg gebrachte US-Steuerreform, zusätzliche staatliche Ausgabenprogramme sowie die von Trump auf den Weg gebrachten  Deregulierungen.  Die US-Wirtschaft erhalte dadurch einen massiven fiskalischen Stimulus, der den Konjunkturzyklus verlängert und eine Rezession in den kommenden  18 Monaten sehr unwahrscheinlich werden lässt“, meint Junius. Ökonomisch notwendig sei dieser Stimulus nicht, die US-Arbeitslosenrate befinde sich schließlich auf dem niedrigsten Stand seit Anfang 2001. In diesem Jahr kann die US-Bruttoinlandsprodukt um fast drei Prozent zulegen.

Warum dann die Wirtschaft zusätzlich befeuern? Trump, aber auch die Republikaner sind angeschlagen. Die Steuerreform soll helfen, die Popularitätswerte wieder zu steigern und bei den Halbzeitwahlen des Kongresses am 6. November 2018 ein gutes Ergebnis einzufahren. Bei den „Midterm Elections“ wird das gesamte Repräsentantenhauses und ein Drittels des Senats gewählt. Die Abstimmung gilt aber auch als Testlauf für die im Jahr 2020 stattfindenden US-Präsidentschaftswahlen.

Immerhin wächst die Zustimmung der Bürger zur Steuerreform. Einer Umfrage der New York Times im Dezember zufolge – zu dem Zeitpunkt waren noch nicht alle Details bekannt  – glaubten nur 17 Prozent der Befragten, sie würden künftig weniger Abgaben leisten müssen. Mittlerweile sind immerhin 51 Prozent der Überzeugung, von der Steuerreform zu profitieren. Die Anteil dürfte weiter steigen.

Vier Zinserhöhungen möglich

Trotzdem ist ein Erfolg der Republikaner bei den Midterms keineswegs sicher. Dazu braucht es auch gut laufender Börsen. Über 56 Prozent der US-Bürger legen ihr Geld in Aktien an. Die Steuerreform jedoch vergrößert das Loch im Haushalt und treibt die Staatsverschuldung nach oben. Auch das Leistungsbilanzdefizit dürfte aufgrund der expansiven Fiskalpolitik zusätzlich ansteigen und protektionistische Instinkte der US-Regierung weiter stimulieren, prognostiziert Junius. Dadurch aber könne sich zusätzlicher Preisdruck in den USA einstellen, was wiederum die US-Notenbank zwingen werde, die Zinsen zu erhöhen. Experten gehen mittlerweile von bis zu vier Erhöhungen in diesem Jahr aus. Höhere US-Zinsen sollten aber nicht nur an der Wall Street, sondern auch an den Börsen in anderen Regionen die Schwankungen nach oben treiben. Die lange Zeit anhaltende Schönwetterperiode an den Märkten sei nun vorbei, folgert Junius.

Höhere Schwankungen sind aber per se nichts negativ. Mutige, informierte und aktive Anleger nutzen diese zum Einstieg und fahren trotz schwierigerer Bedingungen weiterhin ordentliche Renditen ein.

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