Marktbericht: Kräftiger Rücksetzer

dollar
12. Februar 2018

Jede Serie reißt einmal. Vergangene Woche brachen die Kurse von US-Werten kräftig ein. In den 400 Handelstagen zuvor war es zu keinem nennenswerten Rückschlag gekommen. Einen derartigen Kursaufschwung hatten Anleger seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Auf über 26616 Punkte war der US-Leitindex geklettert. Ende der Woche notierte der Dow Jones bei nur noch bei 24190 Punkten. Zuvor hatten Experten angesichts des Tempos des Kursanstiegs zwar immer wieder auf die Möglichkeit einer Korrektur hingewiesen. Die Warnungen wurden jedoch weitgehend ignoriert. Nicht wenige Anleger hatten sogar Kredite aufgenommen, um sich in Aktien engagieren zu können. Diese reagierten auf Abschwung extrem nervös, bauten Positionen ab und beschleunigten den Ausverkauf. Kräftig nach unten ging es auch an den Börsen der Schwellenländer, in Tokio und in Frankfurt. Von seinem Allzeithoch von 13597 Punkten ist der deutsche Leitindex wieder ein ganzes Stück entfernt. In der vergangenen Woche verlor der DAX 4,5 Prozent.

Die Talfahrt an der Wall Street, die noch dazu durch computergestützte Handelssysteme verstärkt wurde, ließ Donald Trump nicht unkommentiert. In der Vergangenheit hätten die Aktienmärkte auf gute Nachrichten mit steigenden Kursen reagiert. Heute sei das anderes. Gute Nachrichten ließen die Kurse einbrechen, twitterte der US-Präsident.

Vollbeschäftigung in den USA

Tatsächlich hatten die positiven Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt die Kurswende ausgelöst. Im Januar waren 200 000 neue Stellen geschaffen worden. Erwartet worden waren nur 180 000 Jobs. Zudem lag die Arbeitslosenquote mit  4,1 Prozent weiterhin auf dem niedrigsten Wert seit 18 Jahren. In den USA herrscht Vollbeschäftigung. Eigentlich gute Zahlen u d gute Aussichten. Steigende Löhne sollten auch den für die US-Konjunktur so wichtigen Binnenkonsum zusätzlichen Schwung verleihen.  Anleger fürchteten jedoch, dass die Beschäftigungsdynamik Lohndruck auslösen und damit einen Anstieg der Inflation bewirken werde. Dann aber müsste die US-Notenbank die Zinsen stärker anheben als bislang gedacht. Mittlerweile erwartet man vier Erhöhungen. Die nächste Anhebung wird mit großer Wahrscheinlichkeit im März erfolgen. Zinserhöhungen sind jedoch Gift für Aktien.

Sichere Anleihe sind kein Alternative

Hält das Aktienbeben an, folgen auf kurze Erholungsphasen weitere Erschütterungen, droht etwa wie im Jahr 2000 ein langanhaltender Crash? Eher nicht. Die US-Börsen sind zwar nicht mehr billig, aber auch nicht extrem teuer. Auch bei europäischen Aktien sind Übertreibungen wie etwa kurz vor dem Platzen der Technologieblase nicht zu erkennen. Anfang des Jahrtausends lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 30. Heute liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 15. Zudem weisen die Unternehmen im Vergleich zu damals wesentlich bessere Cash Flows. Und: Die Dividendenrenditen liegen im Schnitt zwischen 2,5 und drei Prozent. Sichere Anleihen sind  bis auf weiteres keine Alternative. Berücksichtig man die Inflationsrate ist weisen viele Papiere eine negative Realrendite auf.

Der Kursabschwung dürfte sich daher in Grenzen halten. Auch weil die ökonomischen Fundamentaldaten weiterhin stark ausfallen. Die Unternehmen können weiterhin ihre Umsätze und Gewinne steigern, schreibt die niederländische Fondsgesellschaft NN Investment Partners in einem Kommentar. Tatsächlich schlägt in der laufenden Berichtssaison die Mehrheit der Unternehmen die Erwartungen und korrigiert die Prognosen nach oben. Nach Angaben der Weberbank können europäische Unternehmen Zuwächse von fast 16 Prozent erzielen. Auch wenn es derzeit schwer fällt, gelassen zu bleiben. Noch ist nicht an der Zeit, Gewinne mitzunehmen.

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