Marktbericht: Kursblüte in Tokio

Auftakt
23. Oktober 2017

Die Reformpolitik geht weiter, die Bank of Japan hält im Gegensatz zu Fed und EZB  an der lockeren Geldpolitik fest.  Zudem fallen die Gewinne japanischer Unternehmen höher als in den USA oder Europa aus. Höchste Zeit für Aktien aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Japans  Ministerpräsident  Shinzo Abe und die von ihm geführte Liberaldemokratische Partei haben die vorgezogene Parlamentswahl klar gewonnen.  Abe, seit  Dezember 2012 an der Macht, kann nun nicht nur seine Reformagenda fortsetzen,  sondern aller Voraussicht nach auch die Früchte der nach ihm benannten Abenomics-Politik ernten. Neben Deregulierungen sowie Infrastrukturinvestitionen zählt dazu auch eine ultralockere Geldpolitik. Unter Führung von Haruhiko Kuroda erwirbt die japanische Notenbank Anleihen in Höhe von jährlich umgerechnet 599 Milliarden Euro. Zudem engagiert sich die Bank of Japan mit jährlich rund 49 Milliarden Euro am Aktienmarkt.  Ziel von Abenomics ist es, die Konjunktur kräftig anzukurbeln. Das Land der aufgehenden Sonne steckt seit zwei Jahrzehnten in der Deflation fest. Trotz der Anstrengungen ist es bislang noch nicht gelungen, die Spirale aus sinkenden Preisen, fallenden Löhnen, geringem Konsum, stockenden Unternehmensinvestitionen und einem viel zu geringen Wirtschaftswachstum gänzlich zu durchbrechen. Das Licht am Ende des Tunnels ist jedoch bereits deutlich zu erkennen.

Verbraucher hoffen auf höhere Löhne

Nicht zuletzt ist das Vertrauen der Unternehmer aktuell so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Seit sechs Quartalen wächst die Wirtschaft  Doch mit gerade mal 1,3 Prozent hinkt das Land noch anderen Industriestaaten hinterher und bleibt weit hinter China oder Indien  zurück. Auch die Konsumentenpreise ziehen seit Anfang des Jahres wieder an. Vom angestrebten Inflationswert  von zwei Prozent ist Japan aber noch weit entfernt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat betrug die Teuerungsrate im Oktober gerade mal 0,5 Prozent.  Doch die Arbeitslosenrate ist auf unter vier Prozent gefallen, damit steigt die Chance auf anziehende Löhne und konsumfreudige Verbraucher.

Für Investoren ist das eine gute Gelegenheit zum Einstieg. Die wirtschaftliche Basis japanischer  Unternehmen habe sich dank interner Reformen bereits deutlich nach oben bewegt, meint Archibald Ciganer von der Investmentgesellschaft T. Rowe Price. Dazu zählen Effizienzsteigerungen, aber auch die Einstellung ausländischer Manager. „Die momentan zu beobachtende Verbesserung der Unternehmenserträge unterfüttert unsere Einschätzung, dass Japan eine überzeugende, sich selbst am Laufen haltende Wachstumsstory ist.“ Ciganer ist der Ansicht, dass die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr deutlich stärker wachsen werden als in den USA oder Europa.

Kursfantasie Olympische Sommerspiele

Weitere Gründe sprechen für japanische Aktien.  Zum einen beteiligen die Unternehmen ihre Aktionäre mittlerweile stärker als bislang am Gewinn.  Und sie verfügen über hohe Cash-Reserven.  „Die Aussicht darauf, dass die Unternehmen diese liquiden Mittel nun sehr diszipliniert investieren oder zusätzliche Ausschüttungen an ihre Anteilseigner vornehmen werden, beflügelt die Kurse vieler Aktien an der Börse in Tokio“, sagt Ciganer.

Positiv auf die Notierungen sollten sich auch die im Jahr 2020 stattfindenden Olympischen Spiele auswirken. Von den Vorbereitungen auf das Sportevent profitiert schon jetzt die Baubranche. Auch Aktien aus der Tourismusbranche erscheinen vielversprechend. Seit Jahresanfang hat der Nikkei 225 schon zwölf Prozent zugelegt. Viel spricht dafür, der Aufschwung anhält.

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