Marktbericht: Luft nach oben

Katalonien
9. Oktober 2017

Europas Börsen haben schon kräftig zugelegt, die Bewertungen sind aber noch nicht zu teuer. Auch die nach oben korrigierten Wachstumsprognosen für die Länder der Eurozone und daraus resultierende steigende Unternehmensgewinne sprechen für weiterhin anziehende Kurse. Spanien aber bleibt ein Risiko. Der Katalonien-Konflikt kann Korrekturen auslösen.

Für Charttechniker gibt es keinen Zweifel: Sobald der DAX den hartnäckigen Widerstand von 13000 Punkten nachhaltig überwinden kann, steigt der deutsche Leitindex auf 13620 Zähler. Nicht nur deutsche, auch europäische Aktien haben Aufwärtspotenzial, davon ist die Bank J. Safra Sarasin überzeugt. Das Schweizer Institut bemüht jedoch nicht die Charttechnik, sondern begründet ihre Einschätzung mit robusten Konjunkturdaten, wie etwa dem Markit Einkaufsmanagerindex für den Euroraum. Der stieg im September von 57,4 auf 58,1. Zudem entzündet sich der Börsenoptimismus der Schweizer an den Wachstumsprognosen für die Länder der Gemeinschaftswährung. Italien etwa wird im kommenden Jahr und 2019 eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von jeweils 1,5 Prozent zugetraut. Deutschlands Wirtschaftsleistung kann im kommenden Jahr sogar um zwei Prozent zulegen. Ebenso verbessere sich die wirtschaftliche Lage in Portugal und Griechenland, schreibt Cédric Spahr in einer Studie.

Liquiditätsdrosselung schadet nicht

Trotz der langjährigen Aufwärtsbewegung an den Börsen hält der Aktienstratege die Bewertungen noch nicht für zu teuer. Der Euro Stoxx 50 handelt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,1, der Euro Stoxx 600 mit einem KGV von 14,9. Der DAX bringt es auf knapp 14. In Zeiten der Internet-Blase zur Jahrtausendwende lag das KGV des deutschen Leitindex etwa doppelt so hoch. Spahr geht davon aus, dass das Gewinnwachstum der Unternehmen stark genug bleiben werde, um die europäischen Aktienindizes weiter zu beflügeln. In der von der Europäischen Zentralbank für 2018 angekündigten Verringerung der Liquiditätszufuhr sieht der Aktienstratege keine Gefahr für die Marktbewertungen. Marktbericht

Auch die politischen Entwicklungen im Euro-Raum hält Spahr für solide: „Die Umsetzung der Arbeitsmarktreformen und Steuerermäßigungen in Frankreich bestätigen, dass die französische Regierung sich nicht dem Druck der Straße beugen und die angekündigten Reformen umsetzten will.“  Darüber hinaus verliert in Italien die Euro-kritische Bewegung Movimento Cinque Stelle von Beppe Grillo in den Umfragen. „Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass nach den Wahlen im kommenden Jahr das Land von einer weiterhin reformorientierten Mitte-Links-Koalition reagiert wird“, schreibt Spahr.

Keine Regelung für einen Exit

Schwer einzuschätzen sind dagegen die weiteren Entwicklungen in Spanien. Die Zentralregierung in Madrid ist bislang nicht geneigt, den Katalonien-Konflikt auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Sollte die Regionalregierung in Barcelona Katalonien tatsächlich für unabhängig erklären, erwägt Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy Artikel 155 der spanischen Verfassung anzuwenden. Katalonien würde dann den Autonomiestatus verlieren. Die Regionalregierung würde abgesetzt und womöglich deren Mitglieder verhaftet. Bürgerkriegsähnliche Zustände sind dann aber nicht mehr unwahrscheinlich.

Bislang hat der iberische Sezessionsstreit nur den spanischen Aktienmarkt und spanische Staatsanleihen belastet. Sollte der Konflikt eskalieren, dann hat auch Brüssel ein Problem. Bislang hat die EU-Kommission nichts dazu beigetragen, die Situation zu entschärfen.  Schwer vorzustellen, wie sie im Falle einer Unabhängigkeitserklärung Katalonien aus der EU werfen will. Bislang gibt es für solche Fälle keine Regelungen. Eine Loslösung Kataloniens von Spanien hätte jedoch für beide Seiten ökonomisch fatale Folgen, die sich auch auf die Eurozone auswirken können. Auch wenn die Charttechnik und die Wachstumsprognosen derzeit positiv ausfallen: Zu sehr darauf vertrauen sollten Anleger nicht. Ein gutes Portfolio zeichnet sich auch immer durch seine Sicherheitskomponenten aus.

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