Marktbericht: Nicht alle Eier in einen Korb

Auftakt
20. November 2017

Diversifikation über verschiedene Anlageklassen schützt vor Verlusten. Staatsanleihen der Euroländer werfen aber nicht viel ab. Wesentlich attraktiver sind Zinspapiere aus den Schwellenländern. Doch auch da gilt es, breit zu streuen.

Keine Korrektur, wohl nur eine Pause auf dem Weg nach oben: Am Aktienmarkt herrscht jedenfalls wieder gute Stimmung. Nachdem der deutsche Leitindex vergangene Woche zunächst unter die 13000 Punkte gerutscht war, hat der DAX die wichtige Marke wieder zurückerobert. Die Anleger hoffen nun auf eine Jahresendrally. Diese ist wegen der kräftigen Erholung der Weltwirtschaft nicht unwahrscheinlich. Der Internationale Währungsfonds hat jüngst die Wachstumsprognose für die Länder der Eurozone um 0,5 Punkte auf  2,1 Prozent nach oben korrigiert. Der starke Euro, möglicherweise auch die schleppenden Jamaika-Verhandlungen könnten jedoch den Kursaufschwung dämpfen beziehungsweise den DAX wieder nach unten ziehen.

Zehn Prozent pro Jahr

Das spricht einmal mehr für die Börsenweisheit nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Besser ist es, die Mittel breit auf verschiedene Investmentklassen zu streuen: Anleger die diversifizieren wollen,  stehen jedoch vor einem Problem. Mit Bundesanleihen lässt sich weiterhin kein Geld verdienen. Die zehnjährigen Papiere werfen nur um die 0,36 Prozent ab. Wer mehr will, muss daher mehr Risiko wagen. Anleihen aus den Schwellenländern bieten sich an. Die auf Euro oder Dollar lautenden Zinspapiere bringen pro Jahr im Schnitt fünf Prozent. Noch attraktiver sind Bonds, die in der jeweiligen Landeswährung ausgegeben werden. Da sind sieben Prozent pro Jahr drin, meint etwa Morten Bugge von der auf Emerging-Markets-Bonds fokussierten, dänischen Fondsboutique Global Evolution. Gar zehn Prozent pro Jahr traut der Experte Anleihen aus den Grenzmärkten zu.

Geld vom Kapitalmarkt

Zu den Frontier Markets zählen Länder wie Nigeria, Angola, Pakistan, Kuwait, Sri Lanka,  Ecuador oder Vietnam. Die Gewinnphantasie speist sich aus der Erwartung, die Staaten könnten eine ähnliche Entwicklung nehmen, wie etwa Brasilien oder Indien, die mittlerweile zu den etablierten Schwellenländern zählen. Der Aufstieg der sich derzeit noch in einem frühen Stadium ihrer wirtschaftlichen Entwicklung befindlichen Staaten kann jedoch nur gelingen, wenn deren Regierungen investieren –  in die Infrastruktur, aber auch in Bildung.

Die dazu notwendigen Mittel können sich die Regierungen am Kapitalmarkt beschaffen. Da die Emittenten von den Ratingagenturen jedoch mit Non-Investmentgrade eingestuft werden, müssen sie die Gläubiger mit der Aussicht auf hohe Renditen zum Engagement motivieren. In diesem Jahr ist dies sicherlich gelungen. Seit Jahresanfang haben Anleger weltweit umgerechnet 63 Milliarden Euro in Staatsanleihen investiert, deren Bonität als hochriskant gilt.

Drohende Pleite

Venezuela zeigt jedoch, dass Investoren nicht nur die ökonomischen und finanziellen, sondern auch die politischen Entwicklungen verfolgen müssen. Das lateinamerikanische Land verfügt zwar über die größten Ölreserven der Welt, dennoch wurde der Staat vergangene Woche von der Ratingagentur S&P auf teilweisen Zahlungsausfall herabgestuft. Die Regierung in Caracas hatte fällige Zins- und Tilgungszahlungen in Höhe von 200 Millionen Dollar auf zwei Anleihen nicht gleistet. Angesichts des dramatischen Rückgangs der Wirtschaftsleistung, des für Venezuelas Staatshaushalts weiterhin viel zu tiefen Ölpreises und der Inkompetenz der aktuellen Regierung dürfte ein Konkurs kaum zu vermeiden seien. Die Kurse von Venezuela-Anleihen sind daher kräftig gesunken und notieren weit unter ihrem Nennwert. Aus dem Beispiel Venezuela lässt sich eine weitere Börsenweisheit ableiten: Investoren müssen die Mittel nicht nur auf verschiedene Anlageklassen aufteilen, sondern auch innerhalb einer Anlageklasse breit diversifizieren. Nur dann sind sie vor bösen Überraschungen geschützt und vermeiden Verluste.

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