Marktbericht: Auf dem Weg zur Nummer 1

usa
13. November 2017

Die Gefahr eines Handelskonflikts mit den USA ist vorerst vom Tisch. Chinas Staatschef will zudem die Qualität des Wachstums verbessern. Auch wenn die Zuwachsraten künftig geringer ausfallen, finden Anleger weiterhin attraktive Werte.

Im US-Präsidentschaftswahlkampf und in den ersten Monaten seiner Amtszeit hatte Donald Trump immer wieder die „unfairen“ Handelspraktiken Chinas massiv kritisiert. Dem Reich der Mitte warf er vor, Arbeitsplätze in den Staaten zu vernichten. Als Gegenmaßnahme kündigte Trump Strafzölle von bis zu 45 Prozent an. Die Sanktionen hätten China schwer getroffen. Immerhin exportiert das Land Waren und Dienstleistungen in die Staaten in Höhe von über 480 Milliarden Dollar. Aus den USA dagegen importierte China bislang nur Güter im Wert von 116 Milliarden Dollar. In Peking aber weiß man, Risiken zu entschärfen. Bei seinem ersten Staatsbesuch in China vergangene Woche wurde Trump nicht nur mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Um den Mann im Weißen zu besänftigen, will China mit 250 Milliarden Dollar in den USA auf Einkaufstour gehen wird. Zu den Profiteuren zählt beispielsweise Boeing. 300 Flugzeuge im Wert von 37 Milliarden Dollar hat China beim Unternehmen aus Seattle bestellt. Auch Firmen aus der Energiebranche und dem IT–Sektor dürfen sich über milliardenschwere Aufträge freuen.

Trumps Rhetorik ist nun eine andere. Er mache Peking keine Vorwürfe mehr. Die Schuld am Zerwürfnis zwischen Washington und Peking und dem Handelsbilanzdefizit treffe Amtsvorgänger Barack Obama. Die USA und China sollten nun eine neue Ära der Beziehungen einleiten und fortan gemeinsam die Probleme der Welt lösen, so Trumps Vorschlag.

Vorbei an den USA

Das „Gleichziehen“ mit den USA dürfte in Peking als Erfolg gefeiert werden. Doch nur auf Augenhöhe zu sein mit den USA, der derzeit stärksten Volkswirtschaft der Welt, reicht Chinas Führung nicht. Bis 2049 soll sich das Land zu einer „sozialistische Großmacht“ mit globalem Führungsanspruch entwickeln, so will es Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Das Ziel lasse sich jedoch mit der bisherigen Wirtschaftspolitik nicht erreichen, sagt Leopold Quell, China-Experte bei Raiffeisen Capital Management. „Um die vorgegebenen Wachstumszahlen zu erfüllen, glich der Staat bislang Schwächen in der Wirtschaft unter anderem durch Investitionen in die Infrastruktur aus. Auch die staatlichen Unternehmen wurden zu Investitionen angehalten“,  sagt Quell. Diese haben sich jedoch nicht selten als unrentabel erwiesen. Sie haben zudem die Verschuldung stark ansteigen lassen. Der chinesische Staat, Provinzregierungen, Unternehmen und Konsumenten sind mittlerweile mit über 235 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den Miesen.

Chinas Nummer 1 will das ändern. Xi Jinping setzt mehr auf qualitatives Wachstum, der Anteil des Konsums an Chinas Wirtschaftsleistung soll kräftig steigen, auch dem Umweltschutz will er mehr Beachtung einräumen. Und die Verschuldung soll sinken. Auffällig: Auf dem jüngsten Parteitag der Kommunistischen Partei wurde erstmals auf ein konkretes Wachstumsziel verzichtet. Ein gutes Zeichen.

Nach fünf  Jahren im Amt besitze Xi Jinping nun ausreichend Macht und politisches Kapital, um auch schwächeres Wachstum durchzustehen und die Regierungspolitik stärker an Reformen auszurichten, die das langfristige wirtschaftliche Wachstumspotenzial verbessern“, sagt Hayden Briscoe von der Schweizer Bank UBS.

Mehr als nur chatten

Anleger muss das nicht schrecken. Auch wenn die Wirtschaft künftig nur um fünf Prozent zulegen sollte, finden sich zahlreiche Unternehmen, deren Gewinne um ein Vielfaches steigen können. Vielversprechend sind Konsumwerte, alternative Energieanbieter und insbesondere Technologieunternehmen. Diese sind mitunter weiter als die Konkurrenz aus den Industriestaaten. Mit dem vom Internetunternehmen Tencent entwickelten Kommunikationssystem WeChat lassen sich auch Geldtransaktionen durchführen, nicht nur mit der Bank und beim Einkaufen, sondern auch von Privatperson von Privatperson. WhatsApp kann das nicht.

Ist dieser Artikel hilfreich?
Vote DownVote Up +1
Loading...