Marktbericht: Wende in Sicht?

DAX-Unternehmen
4. Dezember 2017

Die bislang synchrone konjunkturelle Aufschwungsphase scheint auszulaufen, die Volkswirtschaften werden sich künftig wieder mehr in unterschiedlichen Stadien bewegen. Das muss den Börsenaufschwung nicht gleich stoppen. Auf höhere Schwankungen sollten sich die Anleger jedoch einstellen.  

Nicht zu viel, nicht zu wenig: Die verhaltene, aber dennoch stetige konjunkturelle Erholung hat die Aufwärtsentwicklung an den Märkten  bislang begünstigt. Mittlerweile fragen sich Investoren jedoch besorgt: Wie lange noch kann das so weiter gehen? Müssen sich die Einflussgrößen nicht mal wieder ändern, die bislang dafür sorgten, dass die Wirtschaft stetig und moderat wuchs, aber nicht überhitzte und die Inflation deshalb niedrig blieb?

Lageverschlechterung nicht in Sicht

Die Landesbank Baden-Württemberg blickt optimistisch in die nahe Zukunft. Vieles spreche für eine Fortsetzung des Aufschwungs, heißt es im jüngsten LBBW Agency Outlook 2018. Die Frühindikatoren befänden sich auf hohem Niveau. Die Wirtschaft im Euroraum könne im nächsten Jahr erneut um die zwei Prozent zulegen. Nichts deute derzeit auf eine Lageverschlechterung hin. Auch das tiefe Zinsumfeld bleibe erhalten. Die LBBW-Analysten gehen davon aus, dass das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von knapp unter zwei Prozent bis 2020 nicht erreicht wird. Die EZB habe daher keine Eile, die Geldpolitik anzupassen.

Indizien für einen kräftigen Rücksetzer an den Aktienmärkten vermag die Landesbank Baden-Württemberg daher nicht zu erkennen. Sie hält bis auf weiteres an der Übergewichtung von Aktienfest. Ebenso wenig sieht die LBBW Gefahren am Anleihemarkt. Weder würden die Anleihekurse kräftig sinken, noch die Ausfallraten stiegen.

Bullen geht die Puste

Sonja Laud, Leiterin Aktien bei der Fondsgesellschaft Fidelity, sieht dagegen steigende Risiken. Ihrer Ansicht nach werde eine veränderte Demographie in Form einer überalternden Gesellschaft, eine hohe weltweite Verschuldung sowie eine geringe Produktionsrate das Wachstum in den Industrieländern drosseln. Hinzu komme, dass globale Inflationsindikatoren erste Anzeichen von Veränderung zeigten und damit das Risiko höherer Zinsen steige. Eine potenzielle Liquiditätsverknappung könnte jedoch Marktreaktionen hervorrufen, die zum heutigen Zeitpunkt schwierig vorherzusehen seien. Somit betreten die Märkte zum wiederholten Male Neuland. „Die Zinspolitik der Zentralbanken wird zum Zünglein an der Waage in einem nunmehr fragilen Gleichgewicht“, folgert Laud. Die Prognose der erfahrenen Fondsmanagerin: Das Marktumfeld werde schwieriger, den „Bullen“ an der Börse drohe schon im kommenden Jahr die Puste auszugehen.

Volatilität als Chance

Auch Morgan Stanley mahnt zur Vorsicht. Die Investmentbank, die vor rund einem Jahr noch einen der optimistischen Ausblicke für 2017 veröffentlichte, rechnet im kommenden Jahr mit einer deutlichen Zunahme der Schwankungen. Die Marktsrategen gehen davon aus, dass die Phase des nahezu synchronen Aufschwungs rund um den Globus zu Ende gehen werde. Befinden sich aber die Volkswirtschaften in unterschiedlichen Konjunkturzyklen, seien zunächst höhere Schwankungen an den Devisenmärkten die Folge, die sich dann auf andere Märkte übertragen könne.

Auch an den Anleihemärkten werde infolge der Zinserhöhungen in den USA und des Auslaufen der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank die Volatilität, insbesondere in den hoch verschuldeten Branchen Telekom und Gesundheit, anziehen. Volatilität sei aber nicht nur negativ, sondern eröffne Anlegern die Chance, sich neu zu positionieren, so Morgan Stanley.

Allzu sorglos sollten Investoren daher im kommenden Jahr nicht mehr sein. Die Rahmenbedingungen sind jedoch weiterhin so, dass  Anleger, die sich intensiv mit ihrem Depot beschäftigen, sowie rechtzeitig auf Risiken reagieren, weiterhin ordentliche Renditen erzielen werden.

Ist dieser Artikel hilfreich?
Vote DownVote Up +2
Loading...