Marktbericht – Zeit für Gold

10. April 2017

Der Preis zieht in unsicheren Zeiten an. Ebenso ist das Edelmetall als Schutz gegen Inflation gefragt. Dass die Notenbanken rechtzeitig und energisch den Preisauftrieb bremsen werden, ist unwahrscheinlich.

Ein neues Allzeithoch will sich in Frankfurt nicht einstellen. Der deutsche Leitindex blieb auch vergangene Woche unter der im April 2015 erreichten Höchstmarke von 12.374 Punkten. Eine Reihe politischer Risiken mahnt Anleger zur Vorsicht und lässt sie Gewinne mitnehmen.

So droht der Militärschlag der USA auf eine Luftwaffenbasis der syrischen Armee die Beziehungen zwischen Moskau und Washington zu belasten. Russlands Präsident Wladimir Putin hat das US-Bombardement bereits als Angriff auf die Souveränität Syriens und als Akt der Aggression verurteilt. Nicht auszuschließen, dass der Kremlchef zumindest den verbalen Schlagabtausch mit den USA in den kommenden Wochen noch intensivieren wird, um seinen innenpolitischen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. In den vergangenen Wochen hatten Zehntausende Bürger in Russlands Städten gegen die Korruption der Mächtigen protestiert.

Die Sorge vor einer Zunahme beziehungsweise einer Eskalation politischer Spannungen trieb den Goldpreis nach oben. Die Unze notierte vergangenen Freitag um die 1264 Dollar, dem höchsten Stand seit fünf Monaten. Ob und wie sehr das Edelmetall, das in Krisenzeiten als sicherer Hafen gesucht wird, in den kommenden Wochen zulegen wird, das hängt auch vom Ausgang des Referendums in der Türkei, den Wahlen in Frankreich und in anderen europäischen Ländern sowie vom Umgang der USA mit Nordkorea ab.

Metal Focus hält im Laufe des Jahres jedenfalls 1485 Dollar für möglich. Das renommierte Analysehaus mit Sitz in London ist der Auffassung, dass auch die US-Notenbank den Aufwärtstrend beim Gold nicht bremsen werde. Zwei oder drei Zinserhöhungen reichten laut Metal Focus nicht aus, um den Inflationsanstieg jenseits des Atlantiks zu stoppen. Im Februar betrug die US-Teuerungsrate nach Angaben der Behörde für Arbeitsmarktstatistik schon 2,7 Prozent. Die US-Notenbank strebt einen Zielwert von nur zwei Prozent an.

Auch James Luke, Rohstoff- und Edelmetallexperte bei der Investmentgesellschaft  Schroders, sieht bei Gold weiter Potenzial. Die enormen Schuldenberge von Staaten,  aber auch Unternehmen und Haushalte verhinderten, dass die Notenbanken rechtzeitig und energisch auf steigende Preise reagierten, schreibt Luke in einem Kommentar.

Wie sehr die Welt verschuldet ist, hat das Institute of International Finance jüngst berechnet. Nach Angaben des Weltverbandes der Banken waren es Ende vergangenen Jahres 215 Billionen Dollar. Das entspricht rund 315 Prozent der Weltwirtschaftsleistung. Auf die USA allein entfallen rund 20 Billionen Dollar, das sind in etwa 107 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die 19 Staaten der Eurozone haben zusammen 9,8 Billionen Euro angehäuft, das sind 91 Prozent des gemeinsamen Bruttoinlandsprodukts. Jede Sekunde erhöht sich die Schuldenlast laut www.haushaltssteuerung.de  um 4476 Euro. Sollten die Notenbanken die Zinszügel zu stark anziehen, riskieren sie Zahlungsausfälle und neue schwere Finanzkrisen.

Sorgen, dass die Zusammenhänge der Europäischen Zentralbank nicht bewusst sind, muss man sich nicht machen. Sie dürfte mindestens bis Ende 2017 an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten, allenfalls dürfte sie ihr Anleihekaufprogramm reduzieren. Die kräftige Ausweitung der Bilanzsumme verhindert sie damit aber nicht. Die steht mittlerweile bei 4,1 Billionen Euro. Sollte sich allerdings in den USA der Eindruck verstärken, die Anleihekäufe der EZB dienten dem Zweck, den Euro zu schwächen um so den Ländern der Gemeinschaftswährung Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, drohen sich auch die Beziehungen innerhalb der westlichen Staaten zu verschlechtern. Dies wäre dann ein weiterer Grund, den Goldanteil zu erhöhen.

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