Mehr Schwellenländer wagen

dollar
19. März 2018

In einem gut diversifizierten Portfolio dürfen die wachstumsstarken Emerging Markets nicht fehlen. Von den in diesem Jahr lauernden politischen Risiken sollten sich Anleger nicht abschrecken lassen. Die Schwellenländer locken mit hohen Wachstumsraten und gut gemanagten Unternehmen.

An den Börsen der Industriestaaten haben Anleger in diesem Jahr kein oder nur wenig Geld verdient. Fast vier Prozent hat der deutsche Leitindex seit Jahresanfang verloren, der EuroStoxx 50 gab 1,7 Prozent ab. Auch an der Wall Street ist die Stimmung eher getrübt. Trotz Senkung der Unternehmenssteuern schaffte der US-Leitindex Dow Jones gerade mal 0,4 Prozent. Deutlich besser haben sich dagegen die Schwellenländer-Märkte entwickelt. Brasiliens Bovespa bringt es auf neun Prozent, Russlands Leitindex legte bislang über acht Prozent zu. Noch besser schlugen sich ausgewählte afrikanische Aktienmärkte.

Gleich fünf Staaten des Kontinents finden sich unter den ersten zehn Plätzen in der Tabelle der renditestärksten Börsen seit Jahresanfang. Auf Rang 1 rangiert die Börse in Accra. Der Wirtschaftsleistung des westafrikanischen Landes Ghana trauen Experten in diesem Jahr eine Zunahme von fast neun Prozent zu. Auch an der Börse in Kairo sind Anleger in Kaufstimmung. Die Regierung arbeitet eng mit dem Internationalen Währungsfonds zusammen, um die öffentliche Verschuldung zurückzuführen. Das wiederum motiviert andere Länder ihre Investitionstätigkeit am Nil zu verstärken. Auch erholt sich der Tourismus wieder.

Weiterhin günstig

Hält der aktuelle Trend in den Emerging Markets an? Sheila Patel, Chief Executive Investment Officer von Goldman Sachs Asset Management, ist optimistisch. Ihrer Ansicht sind trotz der guten Kursentwicklung die Bewertungen weiterhin attraktiv und rät zum Einstieg. Anleger, die die Chancen der Schwellenländer beziehungsweise der afrikanischen Länder nutzen wollen, können dies über entsprechende Fonds oder Exchange Traded Fonds. All zu sorglos sollten Investoren dennoch nicht sein. In diesem Jahr finden in zahlreichen sich entwickelnden Ländern Parlaments- beziehungsweise Präsidentschaftswahlen statt. Anders als in Russland – die Wahl vom vergangenen Sonntag hat Staatspräsident Putin wie erwartet klar gewonnen – kann der Wahlausgang an den jeweiligen Börsen starke Schwankungen auslösen.

Lateinamerika wählt

Beispiel Mexiko. In den Umfragen für die Präsidentschaftswahlen am 1. Juli führt Andrés Manuel López Obrador. Der Linkskandidat hat angekündigt, liberale Reformen seines Vorgängers im Ölsektor rückgängig machen zu wollen. Der frühere Weltbankpräsident Robert Zoellick hat noch größere Sorgen. Er fürchtet, dass im Falle eines Sieges Obradors die Neuverhandlungen mit den USA über den nordamerikanischen  Handelsvertrag Nafta scheitern könnten. Für Mexiko, das über 80 Prozent seiner Güter in die USA exportiert, wäre dies ein schwerer Schlag. 14 Millionen mexikanische Jobs hängen von Nafta ab. An der Börse dürfte daher ein Nafta-Aus erhebliche Schwankungen auslösen. So kann, muss es aber nicht kommen.

Am 7. Oktober finden in Brasilien Präsidentschaftswahlen statt. Die Investoren hoffen auf den Sieg eines marktfreundlichen Politikers, der die bislang in Angriff genommen liberalen Reformen fortsetzt. Der in Umfragen mit großem Abstand führende Linkspolitiker Lula da Silva wird vermutlich an den Wahlen nicht teilnehmen können, da er wegen Korruption zu zwölf Jahren verurteilt wurde. Sollte er seine Haft antreten müssen, drohen dennoch massive Proteste der Bevölkerung, was sich negativ auf die Kursentwicklung auswirken könnte.

Techwerte gefragt

Den politischen Risiken stehen jedoch zahlreiche gut gemanagte Unternehmen gegenüber, die hohen Gewinnzuwächse erzielen. Diese finden Investoren insbesondere im Technologiesektor. „Der Anteil von Techwerten im MSCI Emerging Markets hat sich in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt. Inzwischen ist es der Index, den Techwerte am stärksten dominieren, mehr sogar als in den USA“, weiß der Emerging-Markets-Experte Carlos von Hardenberg. Die Bedeutung sollte weiter zunehmen. „Inzwischen erfolgt fast die Hälfte aller Patentanmeldungen weltweit in den Schwellenländern“, sagt Hardenberg. Welche Marktkapitalisierung die Unternehmen erzielen können, dafür ist Tencent ein gutes Beispiel. Der chinesische Internetriese ist an der Börse mittlerweile 500 Milliarden Dollar wert.

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