Pflege immer teurer – so können Sie Versorgungslücken schließen

Kinder
4. März 2016

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist zwar schon seit vielen Jahren eine wichtige Säule der Sozialversicherung in Deutschland, kann aber nach wie vor nur die Leistung einer Teilkaskoversicherung erbringen. Konkret heißt das, dass die gesetzliche Pflegeversicherung selten in der Lage ist, alle im Pflegefall anfallenden Kosten zu übernehmen. Daher nutzen viele Verbraucher bereits jetzt die Möglichkeit, die Versorgungslücke mittels einer privaten Pflegezusatzversicherung zu schließen. Die private Ergänzung zur gesetzlichen Pflegeversicherung ist nach wie vor das am häufigsten genutzte Modell, insbesondere nach Einführung des sogenannten Pflege-Bahr als staatliche Förderung.

Gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nur die wichtigsten Maßnahmen

Die gesetzliche Pflegeversicherung kann in der Praxis tatsächlich mit der Teilkaskoversicherung beim Auto verglichen werden. Der Vergleich ist deshalb realistisch, weil auch die gesetzliche Pflegeversicherung nur die wichtigsten Maßnahmen im Bereich der Pflege finanzieren kann, allerdings nicht dazu in der Lage ist, alle anfallenden Kosten abzudecken. Daraus resultiert, dass Pflegebedürftige jeden Monat häufig mehrere Hundert Euro aus eigenen Mitteln finanzieren müssen. Bei besonders schweren Pflegefällen und stationären Aufenthalten kann dieser Eigenanteil sogar leicht die Marke von 1.000 Euro überschreiten. Wer die anfallenden Kosten nicht selbst tragen kann oder möchte, dem bleibt heutzutage nichts anderes übrig, als eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Hier gibt es seit geraumer Zeit auch staatliche Unterstützung, nämlich in Form von Pflege-Bahr, das einen monatlichen Zuschuss für Pflegetagegeld-Policen von fünf Euro darstellt.

Drei Modelle der privaten Pflegeversicherung

Die private Pflegezusatzversicherung wird heutzutage insbesondere in Form von drei unterschiedlichen Modellen angeboten, nämlich:

  • Pflegetagegeldversicherung
  • Pflegekostenversicherung
  • Pflegerentenversicherung

Die erste Form der privaten Pflegezusatzversicherung, die es am Markt gab, war die Pflegekostenversicherung. Diese spielt bei den Pflegezusatzversicherungen heutzutage allerdings nur noch eine sehr geringe Rolle. Dies liegt sicherlich vor allem daran, dass nur ein Teil der anfallenden Pflegekosten übernommen wird und die Leistung streng an diese anfallenden Pflegekosten gebunden ist. Abhängig vom Tarif und der Pflegestufe hat die Pflegekostenzusatzversicherung die Aufgabe, die Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung aufzustocken. Den großen Nachteil sehen die meisten Versicherungsnehmer bei der Pflegekostenversicherung darin, dass das Geld eben nicht zur freien Verfügung steht, sondern streng an die anfallenden Pflegekosten gebunden ist.

PflegeversicherungBei der zweiten Variante, der Pflegetagegeldversicherung, sieht dies anders aus. Auch hier werden Pflegekosten übernommen, allerdings nur indirekt. Der Pflegebedürftige erhält nämlich – übrigens auch für privat organisierte Pflege – ein bestimmtes Pflegetagegeld pro Tag. Was er letztendlich mit diesem Geld macht, bleibt ihm überlassen. Das bedeutet, dass man das Pflegetagegeld nicht einmal zur Deckung anfallender Pflegekosten genutzen muss. Der Verwendungszweck bleibt dem Pflegebedürftigen frei überlassen.

Die Pflegerentenversicherung ist ein relativ neues Modell und gestaltet sich vom Grundsatz her ähnlich wie die Pflegetagegeldversicherung. Gezahlt wird hier eine monatliche Rente in Form einer Geldleistung. Über diese kann der Pflegebedürftige wie auch beim Pflegetagegeld frei verfügen. Wichtig zu wissen ist, dass das staatliche Pflege-Bahr nur für Pflegetagegeld-Versicherungen gilt, sodass auch die Pflegerentenversicherung nicht mit dem bereits angesprochenen Betrag von fünf Euro monatlich gefördert wird.

Nachweis der Pflegebedürftigkeit ist immer notwendig

Unabhängig davon, dass die Pflegezusatzversicherung für zahlreiche Verbraucher eine sehr gute Möglichkeit ist, um die aufgrund der nicht ausreichenden Leistungen, welche von der gesetzlichen Pflegeversicherung erbracht werden, entstehende Versorgungslücke zu schließen, muss stets ein Nachweis über die Pflegebedürftigkeit erbracht werden. Dies geschieht in aller Regel durch eine gesonderte Prüfung. Diese nimmt der Medizinischen Dienst der Krankenkassen vor. Die Mitarbeiter haben dann die Aufgabe, die Pflegebedürftigkeit und somit auch den Grad der Pflegebedürftigkeit einzuschätzen. Dies führt dann dann zur Eingruppierung in die entsprechende Pflegestufe.

Bisher gibt es noch drei Pflegestufen. Diese werden allerdings ab 2017 erweitert, da dann für die jeweilige Pflegestufe auch Demenzerkrankungen einbezogen werden. Wer beispielsweise nach aktuellem Stand in die Pflegestufe II eingruppiert wird, der benötigt eine tägliche Grundpflege von mindestens zwei Stunden und darüber hinaus Hilfe im Haushalt oder bei den Mahlzeiten von insgesamt mindestens drei Stunden.

Private Pflegezusatzversicherung sollte rechtzeitig abgeschlossen werden

Bei den privaten Pflegezusatzversicherungen, unabhängig davon, für welche Variante Sie sich entscheiden, ist es äußerst wichtig, dass der Abschluss möglichst frühzeitig erfolgt. Der Grund ist nicht nur, dass eine rechtzeitige Absicherung für den eventuellen Pflegefall vorgenommen wird, sondern darüber hinaus sind die Beiträge in jungen Jahren noch vergleichsweise moderat. Wie bei vielen anderen Versicherungen, so ist es auch bei der privaten Pflegezusatzversicherung so, dass der Beitrag mit steigendem Alter des Versicherungsnehmers teurer wird.

So zahlt beispielsweise ein 25-jähriger Mann in einer privaten Pflegeversicherung Pflege zur Verfügung teilweise nur einen monatlichen Betrag von 15 Euro. Ein 50-jähriger Mann hingegen müsste für die gleiche Leistung im Pflegefall schon einen monatlichen Beitrag von über 30 Euro zahlen. Es ist also durchaus sinnvoll, sich möglichst frühzeitig um den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung zu kümmern, um die entstehende Versorgungslücke Pflegefall zu schließen oder zumindest möglichst gering zu halten.

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