Rente mit 63 – Pro und Contra

25. Juni 2014

 

Vor kurzer Zeit verkündete Arbeitsministerin Nahles, dass die sogenannte Rente mit 63 verabschiedet sei. In erster Linie sollen damit Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen belohnt werden, die mindestens 45 Beitragsjahre vorzuweisen haben. Denn ein zentraler Aspekt bei der Rente mit 63 besteht darin, dass die Betroffenen ab 63 Jahren vorzeitig in Rente gehen können, und zwar abschlagsfrei. Es gibt allerdings keineswegs nur Beifall von Experten und seitens der Bevölkerung, sondern die Rente mit 63 wird durchaus heftig diskutiert. Daher ist es empfehlenswert, zunächst einmal die verschiedenen Vor- und Nachteile zu betrachten, um ein möglichst objektives Urteil zur Rente mit 63 fällen zu können.

 

Die bisherige Situation

Vor der Einführung der Rente mit 63 war so, dass das Rentenalter in Deutschland vor einigen Jahren auf 67 Jahre festgelegt wurde. Zuvor konnten die Bürger abschlagsfrei mit 65 Jahren in Rente gehen. Grundsätzlich sehen manche Experten die neue Rente mit 63 unter anderem deshalb als kritisch an, da sie der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur entgegentritt. Denn da die Menschen immer älter werden und daher auch länger Rente beziehen, wäre die logische Konsequenz eigentlich, dass jeder einzelne Arbeitnehmer länger als bisher arbeiten müsste, um die höheren Ausgaben der Rentenkassen zu finanzieren. Daher sind es auch nicht wenige Parteien, die eher über eine Rente mit 68 oder 70 Jahren diskutieren, statt das Eintrittsalter unter bestimmten Voraussetzungen auf 63 Jahre zu reduzieren. Was aber sind eigentlich die tatsächlichen Vor- und Nachteile der Rente mit 63?

 

Belohnung für Beschäftigte mit langer Lebensarbeitszeit

Ein Hauptargument, welches auch Sozialministerin Andrea Nahles zur Begründung der Rente mit 63 anführt, ist die Tatsache, dass Menschen mit sehr langer Lebensarbeitszeit durch den vorzeitigen Renteneintritt belohnt werden sollen. Daher weist die Ministerin auch Vorwürfe zurück, dass die Betroffenen ein Geschenk erhalten, sondern sie kontert, dass sich die Menschen den Genuss des vorzeitigen Ruhestandes verdient hätten. Ein positiver Aspekt ist darüber hinaus, dass es sich im Prinzip um die erste Rentenreform seit einigen Jahrzehnten handelt, bei der Leistungen nicht verringert, sondern ausgebaut werden. Ferner gibt es tatsächlich Verbesserungen für einige Gruppen, insbesondere für langjährig versicherte Facharbeiter und ältere Mütter.

Aber auch Frührentner können natürlich von der Rente mit 63 profitieren. Dies resultiert daraus, dass sämtliche Beschäftigte, die mindestens 45 Versicherungsjahre vorzuweisen haben, zwei Jahre eher als bisher in den Ruhestand gehen können. Auch die Mütterrente wird verbessert, denn Frauen, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, erhalten zukünftig monatlich knapp 30 Euro mehr. Allerdings gilt dies nur unter der Voraussetzung, dass die betroffenen Frauen nach der Geburt ihres Kindes entweder zwei Jahre pausiert oder die Arbeitszeit im Job reduziert haben. Ein großes Missverständnis besteht übrigens deshalb, weil die Bezeichnung Rente mit 63 eigentlich nicht korrekt ist. Das Kabinett hat nämlich nicht beschlossen, dass unter der Voraussetzung der 45 Beitragsjahre nun sämtliche Bürger mit 63 Jahren in Rente gehen können, sondern richtig ist, dass der Renteneintritt ohne Abschläge zwei Jahre früher – als die Regelaltersgrenze lautet – erfolgen kann. Beträgt die Regelaltersgrenze also 67 Jahre, so wäre eine vorzeitige Rente nicht mit 63, sondern erst mit 65 Jahren möglich.

 

Hohe Kosten und weitere Argumente gegen die Rente mit 63

Nicht nur seitens der Opposition gibt es teilweise heftige Kritik an der Rente mit 63, sondern es sind auch zahlreiche Experten, die diverse Kritikpunkte nennen können. Im Vordergrund stehen vor allem die hohen Kosten, welche die Rente mit 63 mit sich bringen wird. Diese Kosten werden voraussichtlich innerhalb der nächsten 15 Jahre bei rund zehn Milliarden Euro pro Jahr liegen. Die Gesamtkosten summieren sich daher für den Zeitraum von 2015 bis 2030 auf über 150 Milliarden Euro. Dabei ist nicht einmal die abschlagsfreie Rente mit 63 der größte Kostenfaktor, sondern die neu geregelte Mütterrente. Da diese gesamten Kosten aus der Rentenkasse kompensiert werden sollen, befürchten Experten, dass sich der Beitrag zur Rentenversicherung in der näheren Zukunft deutlich erhöhen könnte. Fachleute berechnen, dass ohne die diesjährige Rentenreform der Beitragssatz ohnehin bis zum Jahre 2030 auf über 21,5 Prozent hätte ansteigen müssen. Nach der Reform wird nun davon ausgegangen, dass die per Gesetz festgeschriebene Beitragsgrenze in Höhe von 22 Prozent nur unter der Voraussetzung erhalten werden kann, dass es Steuerzuschüsse gibt. Kritik kommt beispielweise auch aus den Reihen von Altkanzler Gerhard Schröder, der die Rente mit 63 als ein „falsches Signal“ bezeichnet.

 

Fazit zur Rente mit 63

Die Rente mit 63 ist sicherlich eine gut gemeinte Sonderregelung, da langjährige Beschäftigte auf diese Art auf besondere Weise belohnt werden. Diese Belohnung kommt den Staat und vor allem die Rentenkasse allerdings teuer zu stehen, was nicht wenige Experten für ein falsches Zeichen halten, da die Bevölkerung im Durchschnitt immer älter wird. In welchem Umfang und ob die Rente mit 63 in der Zukunft tatsächlich finanzierbar sein wird, werden aller Voraussicht nach die nächsten Jahre zeigen.

 

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