Riester – das rechnet sich (meistens)

Rente
29. November 2017

Die Gesetzliche Rente reicht nicht. Wer Einschnitte vermeiden möchte, sorgt zusätzlich vor. Die 2002 eingeführte Riester-Rente ist für die meisten sinnvoll.

Walter Riester war nur vier Jahre im Amt – von 1998 bis 2002. Aber der Namen des Bundesministers für Arbeit und Soziales hinterließ nachhaltige Spuren. Denn er führte die „zusätzliche Kapital gedeckte Altersvorsorge“ ein – allgemein nur unter „Riester-Rente“ genannt. Sie sollte das Loch füllen, das durch Kürzungen bei Gesetzlichen Rentenversicherung entstand.

„Riestern“ heißt: Der Staat unterstützt den Aufbau einer zusätzlichen Altersvorsorge durch Zulagen und Steuervorteile. Alle rentenversicherungspflichtig Beschäftigten, Beamte und auch Arbeitslose können riestern. Das angesparte Kapital ist inklusive Zulagen zum Rentenbeginn garantiert und wird in einer lebenslangen Rente ausgezahlt. Riester-Anleger haben bei den Produkten die Wahl: Banksparplan, klassische- oder fondsgebundene Versicherung, Fondssparplan oder Wohn-Riester.

Zulagen gibt es für alle Riester-Sparer

Riestern rechnet sich für die meisten Bundesbürger, allerdings nicht für alle gleichermaßen. Die Attraktivität hängt von der staatlichen Förderquote (der Anteil der Staats-Zuschüsse an den Einzahlungen), dem aktuellen und künftigen Steuersatz, vor allem von der Länge des Lebens und damit der gesamten Rentenzahlung ab. Die Höhe der Förderquote korreliert mit dem Familienstand und dem Einkommen.

Alle Riester-Anleger bekommen vom Staat eine persönliche Zulage von 154 Euro pro Jahr. Pro Kind gibt es zusätzlich 185 Euro (vor 2008 geboren) bzw. 300 Euro (ab 2008 geboren). Um die vollen Zuschüsse zu bekommen, müssen Riester-Sparer vier Prozent ihres sozialversicherungspflichtigen Jahreseinkommens (maximal 2.100 Euro inklusive Förderung) ansparen. Diese personenbezogene Förderung lohnt sich vor allem für Eltern mit mehreren Kindern.

Auch für kinderlose Arbeitnehmern mit höherem Einkommen sind Riester-Verträge attraktiv. Der Grund: Der eigene Beitrag für den Vertrag kann bei der Steuer geltend machen. Die Ersparnis liegt damit beim persönlichen Grenzsteuersatz. Wer mehr als 55.000 Euro pro Jahr versteuern muss, spart inklusive Kirchensteuer fast 50 Prozent. Spätere Rentenzahlungen müssen im Gegenzug zwar komplett versteuert werden. In der Rentenphase sind das Gesamteinkommen (und damit der Grenzsteuersatz) jedoch meist deutlich niedriger.

Rendite hängt von der Lebenserwartung ab

Zuschüsse und Steuervorteile gibt es allerdings nicht umsonst. Riester-Sparer sind wenig flexibel. Das eingezahlte Kapital ist bis mindestens fünf Jahre vor Eintritt des regulären Rentenalters gebunden. Wer seinen Riester-Vertrag vorher kündigt, muss Zuschüsse und Steuerförderung zurückzahlen und riskiert dann sogar nominale Verluste. Anders als bei privaten Rentenversicherungen können sich Riester-Sparer ihr angesammeltes Kapital auch nicht vor Beginn der Rente komplett auszahlen lassen, sondern nur maximal 30 Prozent. Und schließlich wird die Riester-Rente bisher noch bei Rentnern mit geringem Einkommen auf die Berechnung der ergänzenden Sozialhilfe angerechnet.

Letztendlich ist eine Riester-Rente wie alle Rentenversicherungen eine Wette auf die eigene Lebenserwartung. Wer lange lebt, profitiert von seinem Riester-Vertrag am meisten. Je nach Förderung, Kosten des Vertrages und Rendite in der Ansparphase haben sich die Einzahlungen von Riester-Sparern nach 15 bis 25 Jahren Rentenbezugsdauer amortisiert.

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