Trump macht Ernst

dollar
11. März 2018

Der US-Präsident löst sein Wahlversprechen ein und erlässt Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Die davon  betroffenen Länder erwägen Gegenmaßnahmen. Nun droht ein globaler Handelskrieg, der die Gewinne der Unternehmen zu schmälern droht. 

„Stahl ist Stahl“, sagt der US-Präsident Donald Trump. „Ohne Stahl hast du kein Land.“   Das Land aber ist ihm wichtig, Amerika soll unter seiner Führung wieder groß werden. Innerhalb weniger Tage erheben die USA Einfuhrzölle auf Stahl in Höhe von 25 Prozent und auf Aluminium von zehn Prozent. Die Maßnahme sei notwendig, um die nationale Sicherheit zu gewährleisten und „Angriffe auf unser Land“ zu stoppen,  begründet Trump die Entscheidung.  Im vergangenen Jahr importierten die USA rund 36 Millionen metrische Tonnen Stahl. Darunter leidet die US-Stahlbranche massiv. Im Jahr 1950 beschäftigen Unternehmen wie US-Steel oder Steel Dynamics noch 650000 Mitarbeiter. Aktuell sind es nur 140000.

Bei Investoren weckt die jüngste Entscheidung Trumps Ängste vor Vergeltungsmaßnahmen betroffener Staaten und einem globalen Handelskrieg. Dieser würde zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums führen, die Gewinne der Unternehmen schmälern und die Aktienkurse nach unten ziehen. Ausgenommen von den Zöllen sind bislang nur Mexiko und Kanada. Die beiden Nachbarstaaten hoffen auf Dauer von Strafzöllen verschont zu werden. Dazu müssen jedoch die Nachverhandlungen zu dem zwischen den USA, Kanada und Mexiko geltenden Nordamerikanischen Freihandelsabkommen Nafta erfolgreich abgeschlossen werden. China, die Schwellenländer und die Europäischen Staaten müssen sich dagegen auf zunehmenden Protektionismus seitens der USA einstellen. Trump plant ja auch sogenannte Spiegelsteuern zu erheben. Das heißt für Güter, die in die USA kommen, sollen die gleichen Zollsätze gelten, die andere Länder auf US-Waren erheben.

Bereit zur Gegenwehr

Brüssel will sich das aber nicht gefallen lassen. Der Tonfall wird rauer. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bezeichnete die Pläne Trumps als „dumm“ und drohte: „Wir werden nicht tatenlos zusehen wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden.“ Die EU, die US-Waren im Wert von 3,5 Milliarden Dollar importiert, ist zu Gegenmaßnahmen bereit. Vergangene Woche verständigte sich die Kommission auf eine ganze Reihe von US-Produkten wie etwa Erdnussbutter oder Whisky, die man mit einem Einfuhrzoll von 25 Prozent belege, falls die USA sich in den kommenden Monaten nicht doch umstimmen lassen sollten.

Auch die Volksrepublik China, die wie die EU deutlich mehr Waren in die USA liefert als als umgekehrt, kündigte inzwischen eine „angemessene und notwendige Reaktion“ auf Trumps Zollpolitik an. Ebenso wächst die Sorge in anderen Schwellenländern.  Der Abbau von Armut beziehungsweise die Stärkung der Mittelschicht in den Emerging Markets ist zu einem großen Teil dem freien Austausch von Waren und Gütern zu verdanken.

US-Wirtschaft leidet ebenso

Doch nicht nur die betroffenen Länder üben Kritik an Trumps Beschluss. Auch in den USA formiert sich Widerstand. Selbst Mitglieder der Republikanischen Partei fürchten, dass die Vorteile der ebenfalls von Trump auf den Weg gebrachten Steuerreform durch die aggressive Handelspolitik wieder zunichte gemacht werden könnten. Auch die Abnehmerbranche von Stahl in den USA wie etwa der Maschinenbau oder die Schiffsindustrie reagiert nervös. Sie müssen künftig wohl mehr bezahlen.

Die US-Stahlbranche und Aluminiumunternehmen wie Centrury Aluminium dagegen frohlocken. Sie rechnen nach der Verhängung der Zölle mit nachlassenden Importen und zunehmenden Aufträgen seitens des  Rüstungssektors oder der Automobilindustrie. Ob sich durch Zölle die angeschlagene Wettbewerbsfähigkeit des Sektors verbessern lässt, ist allerdings mehr als zweifelhaft. US-Präsident George Bush hat in seiner Amtszeit ebenfalls Strafzölle erhoben. Den Niedergang der Branche hat das nicht verhindert. Nach nur zwei Jahren hat man die Zölle wieder kassiert.

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