Versicherungen und Vorsorge für Selbständige

Selbständige
22. November 2017

Selbständige und Freiberufler müssen sich selbst um Versicherungsschutz und Altersversorgung kümmern. Das schafft viel Spielraum, birgt aber auch das Risiko, am Ende ohne dazustehen. Wer nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, sollte rechtzeitig mit der Privatvorsorge beginnen. Neben den gängigen Produkten zur Altersvorsorge bietet die Rürup-Rente zusätzlich die Möglichkeit, die Steuerbelastung zu optimieren.

Selbstständige und Freiberufler genießen viele Freiheiten – aber viele Freiheiten bringen auch viel Verantwortung mit sich. Aber wer mit dem Aufbau oder der Leitung seines Unternehmens vollkommen ausgelastet ist, verschiebt die eigene Risiko- und Altersvorsorge häufig auf morgen oder übermorgen. Dabei haben Selbständige neben dem Bedarf an spezifischen Versicherungen für ihr Unternehmen auch privat einen höheren Bedarf an Absicherung und Vorsorge. Denn während Arbeitnehmer bei Krankheit finanziell abgesichert sind und im Alter von der gesetzlichen Rente profitieren, stehen Selbständige ohne private Absicherung im Falle des Falles vor dem Nichts.

Basisversicherungen: Für Selbständige besonders wichtig

In Deutschland herrscht Krankenversicherungspflicht. Selbständige können zwischen der gesetzlichen und einer privaten Krankenversicherung wählen. In der Regel sind private Krankenversicherer zumindest in jüngeren Jahren günstiger, bei älteren Versicherten mit mehreren Kindern eher die gesetzliche. Wichtig für Selbständige ist eine ausreichende Versorgung im Krankheitsfall, z.B. durch den Abschluss einer separaten Krankentagegeldversicherung.

Die private Haftpflichtversicherung gehört zu den Basisversicherungen für alle Menschen. Kleinere Schäden kann man zwar aus dem laufenden Einkommen begleichen, bei Personenschäden sind jedoch Schadensersatzsummen in Millionenhöhe möglich. Wer  bereits eine private Haftpflichtpolice hat, kann möglicherweise mit einem Zusatzvertrag relativ günstig betrieblich verursachte Schäden mitabdecken.

Eine Risiko-Lebensversicherung ist für Selbstständige mit Familie und/oder kreditfinanzierter Immobilie extrem wichtig. Denn gerade bei Selbstständigen kommt oft der größte Teil des Familieneinkommens aus dem Geschäft. Das kann im Todesfall häufig nicht weitergeführt werden. Ehepartner und Kinder haben zudem keine Ansprüche auf eine Witwen- oder Waisenrente, wenn der Verstorbene nicht über die gesetzliche Rentenversicherung oder Versorgungswerke abgesichert war.

Der Verlust der eigenen Arbeitskraft ist für Selbständige der größtmögliche finanzielle Schaden. Im Gegensatz zu Arbeitnehmer können sie nicht einmal auf eine geringe Erwerbsunfähigkeitsrente hoffen. Eine plötzliche Berufsunfähigkeit gefährdet also nicht nur das Unternehmen, sondern die gesamte finanzielle Existenz. Die Absicherung über eine hohe Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig – auch wenn eine entsprechende Police mit einer ausreichend hohen Versicherungssumme nicht billig ist.

Private Altersvorsorge: Steuerkick mit Rürup-Rente

Schon bei Arbeitnehmern reicht die gesetzliche Rente kaum aus, um im Alter den Lebensstandard  nicht aufrechterhalten.  Für Selbständige ist die private Altersvorsorge erst recht ein Muss. Denn bis auf einige Ausnahmen wie berufsständische Versorgungswerke oder die Künstlersozialkasse gibt es in der Regel für sie keine reguläre Altersabsicherung. Bei einigen erfolgreichen Unternehmern reicht der Erlös aus dem Verkauf des eigenen Unternehmens für einen auskömmlichen Lebensabend, bei vielen ist das jedoch nicht der Fall.

Für die Altersvorsorge stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Neben selbstgenutzten und vermieteten Immobilien haben Selbständige früher meist Kapitallebens- oder Rentenversicherungen abgeschlossen. Diese Produkte werfen in Niedrigzinszinszeiten jedoch nur geringe Erträge ab. Mehr Flexibilität und auf lange Sicht meist höhere Renditen bieten ETF- und Fondssparpläne.

Insbesondere Selbständige sollten bei der Altersvorsorge auf die Steuerbelastung und mögliche Steueroptimierungen achten.  Erhebliche Steuervorteile bietet die Basisrente, nach ihrem Erfinder auch „Rürup-Rente“ genannt. Die Basisrente ist für Selbständige ein Pendant zur gesetzlichen Rente und zur Riester-Rente. Rürup-Sparer können im Jahr 2017 von jährlichen Einzahlungen bis zu 23.362 Euro (oder 46.724 Euro bei Ehepaaren) 84 Prozent steuerlich absetzen. Der anrechenbare Anteil steigt bis 2025 auf schließlich 100 Prozent.

Die Steuerlast lässt sich also in der aktiven Zeit durch Beiträge für eine Rürup-Beiträge deutlich senken. Die Rürup-Rente kann zudem flexibel gestaltet werden. So bietet sich ein Grundvertrag mit relativ geringen Beiträgen an, für den in guten Geschäftsjahren zusätzliche Beiträge gezahlt werden können. Im Gegenzug zur Steuerbefreiung müssen Basisrenten zwar bei der Auszahlung versteuert werden. Dann jedoch sind bei den meisten Selbständigen Einkommen und Steuerbelastung deutlich geringer.

Ist dieser Artikel hilfreich?
Vote DownVote Up +3
Loading...