Versicherungs-Apps – Was bringen sie?

Fintech
24. Mai 2016

Der Fintech-Trend in der Finanzwelt macht auch vor der Versicherungsbranche nicht halt – so wirbt etwa der Anbieter Knip in Fernsehkampagnen mit dem Slogan „Dein digitaler Versicherungsmanager“ um Kunden. Ähnlich lautet das Credo des Konkurrenten Getsafe. Andere Anbieter sind Clark oder auch Asuro und Simplr. Doch welchen Nutzen haben Kunden davon, solche Apps zu nutzen?

Versicherungsmanager-Apps

Auf den ersten Blick wirkt etwa Knip so, als ginge es darum, alle vorhandenen Policen übersichtlich digital zu verwalten. Der Kunde kann sehen, welche Versicherungen er wo abgeschlossen hat, wie viel er für sie zahlt und wann die Beiträge fällig werden. Über die App können Änderungen an den Tarifen oder der Zahlweise vorgenommen werden, auch Kündigungen sind möglich. Die Regulierung eines Schadens kann allerdings nicht über die App abgewickelt werden.

Um diese nutzen zu können, sind Angaben zu den Verträgen und zur Person erforderlich, auch eine digitale Unterschrift wird angefordert, damit Knip Zugriff auf die Vertragsinformationen erhält.

Was viele Nutzer wahrscheinlich nicht ahnen: Wer den Service nutzt, erteilt auch ein Maklermandat. Zwar kann man hiervon auch zurücktreten, fraglich ist nur, wie aufmerksam Kunden bei der Registrierung sind oder ob sie dies übersehen. Stimmen sie zu, erhält Knip die üblichen Abschluss- und Bestandsprovisionen. Das Policen-Angebot erstreckt sich bei Knip von Sach- über Kranken- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Direktversicherer gehören nicht zum Repertoire des Anbieters. Ähnlich sind auch Asuro, Simplr, Getsafe und Clark aufgebaut.

Finger weg von Spontan-Abschlüssen

Manche Apps sind auf den Abschluss von Kurzzeit-Policen spezialisiert, darunter etwa appsichern.de, eine App des Düsseldorfer Startups Situative GmbH. Das Risiko bei diesen Angeboten: Der Abschluss erfolgt möglicherweise unüberlegt und aus einer Laune heraus, schlimmstenfalls ist der vermeintliche Versicherungsschutz viel zu gering. Eine Unfallversicherung für ein Jahr ist da meist die bessere Wahl.

Apps von Versicherern

Direkten Nutzwert bieten Apps von Versicherern, bei denen der Kunde eine Police abgeschlossen hat. So lässt sich etwa über die Apps diverser Kraftfahrzeugversicherer ein Unfallschaden unkompliziert melden. Anbieter wie Axa, VHV, R+V und die DEVK bieten einen solchen Service, der auch gleich das Mitschicken von Fotos zum Unfall ermöglicht. Über die App von Cosmos Direkt ist zudem auch das Melden anderer Schäden möglich.

Nützlich sind auch Apps von einigen Krankenversicherern. Sie ermöglichen das einfache Einreichen von Arztrechnungen und Rezepten. Zu den Anbieter solcher Apps gehören unter anderem Allianz, Ergo und die Hallesche, sowie neuerdings auch die R+V Versicherung.

Wer sich der Tatsache bewusst ist, dass Apps wie Knips eigentlich eher auf Neuabschlüsse abzielen statt einen kostenfreien Service zu bieten, findet mit ihnen zumindest ein nützliches Tool. Denn das Bündeln der Policen hilft durchaus, den Überblick zu behalten. Für den Vergleich zusätzlicher Versicherungsleistungen kommen jedoch eher die gängigen Web-Portale infrage, da sie mehr Anbieter abdecken und eine größere Chance auf ein kostengünstiges Angebot besteht. Inwieweit man sich auf die Beratung durch Unternehmen wie Knip oder Getsafe einlässt, muss jeder Kunde für sich entscheiden. Änderungen an den bestehenden Policen sowie Neuabschlüsse sollten in jedem Fall gut durchdacht sein und nicht vorschnell erfolgen, nur weil es über die App so einfach und bequem ist. Denn letztlich ist auch die kostengünstigste Police noch zu teuer, wenn sie überflüssig ist.

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