Was ist eine Anleihe?

Anleihen
3. August 2017

Neben Aktien sind Anleihen die wichtigste Anlagekategorie an der Börse. Früher brachten Anleihen bester Bonität  Anlegern nahezu risikolose Rendite. Das hat sich in den  vergangenen Jahren der Niedrigzinsen geändert. Wie Anleihen funktionieren und worauf Anleger achten sollten.

Anleihen werden als Bundeswertpapiere von Staaten oder als Corporate Bonds von Unternehmen ausgegeben. Sie heißen auch Inhaberschuldverschreibungen, Pfandbriefe, Obligationen oder Rentenpapiere. Anleihen sind für das Börsengeschäft ähnlich wichtig wie Aktien. Anders als Aktionäre haben Anleihebesitzer aber kein Stimmrecht bei Hauptversammlungen. Und anders als früher können Anleger nicht mehr auf Renditen ohne Risiko hoffen.

So funktionieren Anleihen

Das Grundprinzip einer Anleihe ist einfach. Es entspricht einem Kreditgeschäft: Anleger geben einem Staat oder einem Unternehmen mit dem Kauf einer Anleihe Kapital. Im Gegenzug erhalten sie dafür Zinsen, den sogenannten Kupon. Bei einer klassischen Anleihe wird der Kupon jährlich ausgezahlt. Das investierte Kapital gibt es dann am Ende der Laufzeit komplett zurück. Neben der klassischen Anleihe gibt es auch zahlreiche Varianten. So können Anleger Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten oder auch mit variablen Zinsen wählen.

Staaten und Unternehmen geben Anleihen aus, weil sie sehr große Kredite brauchen. Der Gesamtbetrag einer Anleihe wird dabei in Portionen gestückelt. Die Mindeststückelung  beträgt oft 1.000 Euro – eine Summe, die auch für Privatanleger bezahlbar ist. Kleinere oder größere Stückelungen sind ebenfalls möglich. Die Zinsen bei Anleihen liegen für Unternehmen oder Staaten in der Regel unter dem Zinssatz von vergleichbaren Bankdarlehen.

Wovon hängt die  Verzinsung einer Anleihe ab?

Wer hat, dem wird gerne gegeben: Das gilt auch im Anleihegeschäft. Gute Schuldner wie etwa die Bundesrepublik Deutschland oder sehr solvente Unternehmen müssen für ihre Anleihen weniger Zinsen bieten als Staaten wie Italien oder Unternehmen mit hohen Schulden oder schlechten Geschäftsaussichten. Die Höhe der Zinsen richtet sich vor allem nach drei Faktoren:

  • Dem Zinsniveau am Markt.
    Wenn die Zinsen hoch sind, müssen auch die Kreditnehmer bei ihren Anleihen höhere Kupons bieten. Seit einigen Jahren liegt das Zinsniveau jedoch extrem niedrig. Insbesondere Schuldner mit guter Bonität können sich zu sehr günstigen Konditionen Geld leihen.
  • Der Laufzeit der Anleihe.
    Keiner verzichtet freiwillig lange auf sein Geld. Je länger Investoren ihr Geld verleihen, desto höher ist im Regelfall der Zins. Je nach wirtschaftlicher Lage kann der Unterschied der Verzinsung zwischen den unter- schiedlichen Laufzeiten kleiner oder größer ausfallen.
  • Die Bonität des Schuldners.
    Ähnlich wie beim Bankkredit gilt: Gute Schuldner zahlen weniger als Unternehmen oder Staaten, bei denen fraglich ist, ob sie den Kredit zurückzahlen können. Rating-Agenturen bewerten Unternehmen und Staaten nach ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit. Eine Garantie sind ihre Noten aber nicht

Warum schwanken die Kurse?

Es gibt zwei Wege, eine Anleihe zu beziehen: Entweder man zeichnet eine Anleihe  vor der Emission oder man kauft sie später an der Börse. Der Kurs einer Anleihe notiert dabei nicht in Euro, sondern in Prozent. Anleihen werden zu rund 100 Prozent emittiert, am Ende der Laufzeit wird das Kapital zu 100 Prozent zurückgezahlt. Je nach Zinsentwicklung, Laufzeit und Bonität ändert sich aber zwischenzeitlich der Börsenkurs. Wenn der Marktzins steigt oder sich die Bonität des Kreditnehmers verschlechtert, fällt der Kurs. Umgekehrt kann bei sinkenden Marktzinsen oder einer verbesserten Bonität der Kurs auch steigen. Die Kurse deutscher Bundesanleihen mit längeren Restlaufzeiten und Kupons von zwei oder drei Prozent etwa sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, weil es für neue Bundesanleihen nur noch Minikupons oder gar keine Verzinsung gibt.

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