Smart Beta ETF: Höhere Rendite oder weniger Volatilität

Smart Beta
4. Juli 2018

Das Beste aus zwei Welten: Smart Beta bringt aktives und passives Management zusammen. Die Emittenten von Smart Beta ETFs picken aus den bekannten Indizes nach definierten Kriterien einzelne Aktien heraus oder gewichten die Indexmitglieder nach anderen Kriterien als der klassischen Marktkapitalisierung. Auf Dauer soll das bessere Anlageergebnisse bringen.  

Kein Index ohne ETF: In nahezu alle gängigen Indizes der Börsenwelt können Anleger per ETF investieren – oft stehen sogar zahlreiche ETFs zur Wahl.  Vermehrt bieten Indexanbieter nun auch Produkte an, die einen gegebenen Index nicht mehr rein passiv abbilden, sondern sie „smarter“ machen – nach zuvor definierten Regeln. Im Vergleich zu den Basisindizes sollen die sogenannten Smart Beta ETFs weniger schwankungsanfällig oder performancestärker sein.  Das gelingt manchmal, aber längst nicht immer. Zudem müssen Anleger bei Smart-ETFs auch mit höheren Kosten als bei normalem ETFs kalkulieren.

Dividenden-ETF

Die älteste Variante der Smart-Beta-ETFs sind Dividenden-ETFs. Die ersten einfachen Konstruktionen wählten aus einem gegebenen Anlageuniversum (z.B. DAX 30 oder Euro STOXX 600) die Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen aus. Auch bei regelmäßiger Aktualisierung hat diese Methode Nachteile: Wenn Aktien bei konstanten Dividenden im Kurs nachgeben, haben sie steigende Dividendenrenditen und werden dementsprechend im ETF hoch gewichtet. Das passierte etwa vor der Finanzkrise bei den Bankaktien. Die Folge: Dividenden-ETF blieben hinter aktiv gemanagten Dividendenfonds zurück, die ihre Aktien freier auswählen durften und die performanceschwachen Branchen mieden. Neuere Ansätze bei Dividenden-ETF beschränken sich deshalb nicht allein auf die reine Dividendenhöhe. Sie berücksichtigen Zusatzkriterien wie die Dividendenkontinuität und die Ausschüttungsquote. Auch sie leiden aber unter mangelnder Aktualität.

Gleiche Gewichtung

Ob Apple oder Alphabet: Oft sind Aktien nach einer langen positiven Entwicklung in den einzelnen Indizes hoch gewichtet. Gerade nach solchen Höhenflügen sind sie aber auch anfällig für eine kräftige Korrektur. Dann ziehen sie einen Index und damit einen nach Marktkapitalisierung gewichteten ETF mit in die Tiefe. Das passierte in der Vergangenheit zum Beispiel bei Nokia. Die einstmals am höchsten bewertete europäische Aktie zog bei ihrem Absturz den Euro STOXX 50 mit. Später waren es im DAX und Euro STOXX die hoch gewichteten Banken und Versorger, die für überdurchschnittliche Verluste sorgten. Bei gleich gewichteten Smart Beta ETFs gibt es ein solches Risiko nicht. Jeder Wert ist hier mit dem gleichen prozentualen Anteil vertreten, die Gewichtung wird in festgelegten Abständen kontrolliert und angepasst. Bei dieser Konstruktion profitieren Anleger zwar von einem lang anhaltenden Aufschwung einzelner Werte weniger stark, reduzieren aber die Gefahr starker Rückschläge.

RAFI-ETF und Minimum-Varianz-ETF

Eine andere Version der Index-Optimierung sind die sogenannten RAFI-Indizes. RAFI steht für Research Affiliates Fundamental Indexing. Gängige Indizes wie der DAX und die dazugehörigen ETFs werden nach der Marktkapitalisierung bzw. nach dem Gesamtwert der frei handelbaren Aktien berechnet. Bei RAFI-Indizes gelten andere Kriterien. Dazu gehören Kennzahlen zu Umsatz, Buchwert, Cash Flow oder Dividendenrendite. Die so zusammengestellten Indizes sollen qualitativ hochwertiger sein als klassische Indizes und deshalb Abschwünge an den Märkten besser abfedern. In steigenden Märkten wie zuletzt sin RAFI-Indizes nicht unbedingt die bessere Wahl.

Minimum-Varianz-ETF wollen die Schwankungen an den Märkten abdämpfen. Bei einfacher Konstruktion wählen sie aus größeren Basisindizes wie dem S&P 500 oder Euro STOXX 600 alle Aktien aus, die über einen Beobachtungszeitraum (z.B. 3 oder 5 Jahre) am wenigsten schwankten. Diese Methode führt aber zu starken Übergewichtungen von einzelnen Sektoren mit stabilen, aber oft auch wenig ertragsstarken Aktien. Verfeinerte Versionen der Minimum-Varianz-ETF legen deshalb für die jeweiligen Sektoren maximale Gewichtungen fest und beachten auch die historischen Korrelationen zwischen einzelnen Branchen, um die gesamte Schwankung des ETF zu reduzieren. Insbesondere in steigenden Märkten bleiben sie dennoch oft hinter den Basisindizes zurück.

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